Transportlisten Stolp

Anfang 2013 erreichte uns die Nachricht, dass die polnischen Archive anfangen, Dokumente nicht nur zu digitalisieren, sondern auch im Internet zur Verfügung zu stellen.

 

Am 6. März 2013 war es dann soweit. Seitdem ist eine große Anzahl von Dokumenten online gestellt worden.

So u. a. vom Staatsarchiv Stettin Listen betreffend der Vertreibungstransporte.

 

Wir haben die Listen von den veröffentlichen 19 Transporten ausgewertet, die über 28.000 Deutsche von Stolp nach Teuplitz brachten.

 

Beispiel einer Transportliste
(anklicken zwecks Vergrößerung)

Abschluß des Indexprojektes

Das Projekt ist im Mai 2016 abgeschlossen worden. Für die Durchführung unser Dank, beteiligt war u. a. Gerhard Lange.

 

Uwe Kerntopf

Arbeitskreis Heimat- und Familienforschung im Stolper Heimatkreise e. V.

 

TRANSPORTLISTEN von Vertriebenen 1947

Das Staatsarchiv Stettin „Archivum Pánstwowe w Szczecinie“ hat im Internet veröffentlicht:
TRANSPORTLISTEN aus Stolp Nr. 29 vom 20.07.1947 bis Nr. 53 vom 17.10.1947.

Je Transport rund 1.500 vertriebene Deutsche aus Stadt und Landkreis Stolp.
Für die Veröffentlichung dieser Dokumente bedanken wir uns.

Transport jeweils in einem Güterzug mit 50 Wagons mit je 30 Personen. Anmerkung: die Güterwagen damals waren viel kleiner als die heutigen. Fahrt mit Dampf-Lokomotiven. Dazu zwei Güterwagen mit Verpflegung für die Tage der Fahrt. Ein Personenwagen für die polnische Begleitmannschaft. Ein Pole war Kommandant des Transportes.

Je Güterwagen wurde von der polnischen Dienststelle in Stolp eine deutsche Person als „Komendant wagonu / Wagonältester“ bestimmt. Das konnte ein Mann oder eine Frau sein. Diese hatten die untenstehende Erklärung zu unterschreiben.

Verlauf dieser Transporte:
Transporte von Słupsk / Stolp in Pommern bis zur letzten Bahnstation kurz vor der neuen Oder-Neiße-Grenze.
Zunächst nach Kaławsk / Kohlfurt Kreis Görlitz, einem Braunkohlenbahnhof in Niederschlesien.
Dann nach Tuplice / Teuplitz Kreis Sorau im polnisch gewordenen Ostbrandenburg der Niederlausitz.
(Die Polen hatten mehrere Übergabestellen eingerichtet. Sammelstellen für die Vertriebenen in Pommern waren in allen größeren Städten in Pommern eingerichtet worden.)

Durchschnittlich zwei Transporte in der Woche aus Stolp. Die Fahrzeit des Güterzuges betrug meistens zwei Tage, einzelne Fahrten dauerten auch länger. Danach weiter in die damalige Sowjetische Besatzungszone. Von den dortigen Behörden wurden die Personen nach einem kurzen Lageraufenthalt auf verschiedene Orte verteilt. Zahlreiche Vertriebene nutzten anschließend die Gelegenheit, in eine der westlichen Besatzungszonen zu kommen.

Durchschnittlich befanden sich auf den Transporten knapp 20 % Männer (gezählt ab etwa 15 Jahren), fast 46 % Frauen (ab etwa 15 Jahren) und ein Drittel Kinder bis 15 Jahre.
Mit diesen 25 veröffentlichten Transporten aus Stolp sind insgesamt 36.688 Deutsche ausgewiesen worden.
Weitere Transporte aus Stolp und anderen größeren Städten fanden statt.

Registrierung:
Vor der Abfahrt in Słupsk / Stolp wurden die Namen, das Geburtsjahr und das Geschlecht notiert. Oft auch der Beruf oder eine Ersatzbezeichnung. Leider wurden nicht die Herkunftsorte der Vertriebenen aufgeschrieben. Die Transporte wurden offenbar gemischt. Dorfgemeinschaften waren nicht zu erkennen. Einzelne Familien blieben allerdings zusammen. Männer waren in der Minderheit (oft gefallen oder in Kriegsgefangenschaft). Ein kleinerer Transport beförderte Kranke mit einzelnen Begleitpersonen.

Die Angaben wurden in Stolp mit Schreibmaschine in einen Vordruck mit Durchschrift geschrieben. Die Durchschriften sind erhalten geblieben. Die vorgedruckten Angaben waren in polnischer, russischer und englischer Sprache gehalten.
Die (vermutlich polnischen oder kaschubischen Damen) schrieben die Namen der Deutschen vielfach nach Gehör. Die so entstandenen ungewöhnlichen oder falschen Namen sind unverändert in den Globalindex übernommen worden. Die Polen bezeichneten die Vertriebenen als „Repatriierte“.

Erklärung der für einen Güterwagen zuständigen deutschen Person auf Polnisch und auf Deutsch:
„Erklärung.
Als Wagonältester erkläre ich, das weder ich noch eine andere Person meines Wagons eine Beschwerde gegen die polnischen Regierungsbehörden vorzubringen haben, noch andere Ansprüche gegen diese stellen.“

Diese 25 veröffentlichen Transportlisten der Polen sind von ehrenamtlichen Helfern des Arbeitskreises Heimat- und Familienforschung Stolper Lande indexiert und in den Globalindex eingefügt worden.
Dafür herzlichen Dank allen Mithelferinnen und Mithelfern.

Projektleiter P. S.

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