Karte Wiesenberg
Karte Wiesenberg

Zur Geschichte von Vangerske, zuletzt: Wiesenberg (1938-1945)

1520: Vangerske gehört zum Lehnsbesitz des Kaspar Zitzewitz.

Das Lehnswesen war lange Zeit sehr verbreitet und bildete die Grundlage der hochmittelalterlichen Gesellschaftsordnung. Der Lehnsher war rechtlich der Eigentümer von Grund und Boden, welche er auf Lebenszeit dem Lehnsempfänger verlieh. In der Lehnsordnung waren die Rechte und Pflichten definiert. Es kristallisierten sich verschiedene Lehnsformen heraus, je nachdem ob es sich um eine weltliche oder kirchlich-klösterliche Lehnsherrschaft handelt; auch regionale Traditionen führten zu Variationen.  Der Begriff Lehnswesen bedeutet so viel wie „geliehenes Gut“.

Die Auflösung des Lehnswesens vollzog sich in Deutschland nur sehr zögerlich. Gesetzliche Regelungen erfolgten  im Rheinbundakte, im Reichsdeputationsausschluss und vor allem 1849 in der Paulskirchenverfassung. 1947 hob der Kontrollrat die letzten bestehenden Lehen auf.

1652: Major Christian Stephan von Grumbkow erwirbt Vangerske für 6300 Gulden von Peter von Zitzewitz zu Podel . Zugestimmt haben Lorenz von Zitzewitz und Johann Adolph von Zitzewitz zu Techlipp und Budow.
Erbe wird sein Sohn Joachim Ernst von Grumkow (1637-1690).

1693: Nach einem Teilungsvergleich kommt Vangerske zusammen mit Groß Runow und anderen Grumbkowschen Gütern an den Sohn Otto Christian von Grumbkow. Als er stirbt, geht sein Güteranteil an den Bruder Philipp Otto von Grumbkow über.

1717: Die Hufen-Klassifikation benennt:

  • Besitzer: Geheimer Kriegsrath Philipp Otto von Grumbkow
  • Bauern: 1/1 Lehen: 1. Michael Lüske, 2. Woyck Petta, 3. Michel Petta, 4. Michel Manzesch
  • Cossäthen: 1. Szimon Marteick, 2. Michel Bochim, 3. Jurg Kautz.

Nach einer Disposition  des Philipp Otto von Grumbkow vom 03.08.1752 und dem allem zugrunde liegenden Teilungsvergleich der Brüder von Grumbkow von 1752 vererbt er den Besitz (mit einigen Ausnahmen) an seine Söhne Philipp Wilhelm Otto und Friedrich August von Grumbkow. Vangerske und Groß Runow gehören danach zunächst dem jüngeren Sohn Friedrich August, der aber als erster stirbt und alle Güter fallen so schließlich in die Hand des ältesten Philipp Wilhelm Otto von Grumbkow.

1778 stirbt der letzte Grumbkow dieser Familie und hinterlässt das stattliche Erbe seiner einzigen Tochter Friederike, der Witwe von Podewils. Erst am 29.12.1779 wird die Rechtmäßigkeit dieser Erbschaft durch Rechtsspruch anerkannt und ein Einspruch des Leutnants Friedrich Wilhelm von Grumbkow abgewiesen. 1805 kommt der gesamte Güterkomplex an die Tochter Albertine Friederike Sophie, seit 1789 verheiratet mit Major von Bonin.

1784: Zu Vangerske gehört lt.Brüggemann:

  • 1 Vorwerk
  • 1 Wassermühle
  • 4 Bauern
  • 2 Kossäten
  • 1 Krug
  • 10 Feuerstellen

1818: Als Albertine stirbt, geht Vangerske zusammen mit Groß Runow und den anderen Gütern des Lupower Komplexes an ihren Gemahl, und somit an die Familie von Bonin, über.

1829: Otto Heinrich Ferdinand von Bonin, der Groß Runow bereits seit 1827 besitzt, erbt Vangerske.

1855: Der gesamte Besitz wird Fideikommiss. Das bedeutet, fortan unterliegt es einem Erbrecht, das zwischen einem gebundenen Besitzteil (dem Obereigentum) und einem Nutzungseigentum unterscheidet. Das Nutzungseigentum stand nur einem Familienmitglied zu, während das Obereigentum Familienbesitz war (s.: Ortsbeschreibung Pottangow). Dazu gehören neben Vangerske u. Groß Runow vor allem folgende Güter:  Darsin,  Lupow, Malzkow, Pottangow, Sorkow, Varzmin A, Zechlin. – es wird auch als Lupowscher Besitzkomplex bezeichnet. Fideikommisse wurden häufig in Form von Majoraten geführt. Das Majorat ist ein Ältestenrecht, wonach der nächste männliche Verwandte der Erbe ist. Bei gleichem Verwandtschaftsgrad erhält der Älteste die Erbschaft. 

Fideikommisse wurden per „Gesetzt über das Erlöschen der Familienfideikommisse und sonstiger gebundener Vermögen“ vom 06. Juli 1938  zum 01.Januar 1939 aufgehoben. Allerdings galt eine Übergangs- bzw. Sperrfrist, da die Bereinigungsvorschriften aufgrund vielfältiger familiärer Verstrickungen nicht unmittelbar umsetzbar waren. Teilweise waren die Fideikommisse sogar nach dem II. Weltkrieg noch nicht ganz aufgelöst, da die Kriegsverhältnisse die Umsetzung unterbrachen.

1931: Der letzte Majoratsher Ernst von Bonin stirbt und das Majorat Lupow mit seinem frühbarocken Schloss Canitz, geht auf das Haus Bartin der Puttkamer über, beheimatet im nordwestlichen Teil des Kreises Rummelsburg.

1938: Das Rittergut wird nun umbenannt in Wiesenberg. Es besteht aus 368 ha, davon 314 ha bestes Ackerland. Lange Zeit gilt es als Kornkammer der Gegend. 
 

Weiterhin gehören zum Rittergut 10 ha Wiesen, 2 ha Weiden, 2 ha Wasser und ca. 40 ha Unland, Wege usw. - außerdem ein Viehbestand von 120 Rindern, 250 Schafen und 31 Pferden.

1940: Achim von Zitzewitz erwirbt das Gut und lebt hier auch mit seiner Familie.

Insbesondere treibt er die Kartoffelsaatzucht voran. Erst durch diese Saatzuchtwirtschaft der Familie von Zitzewitz wird das kleine Gutsdorf Wiesenberg, ansonsten durch seine Lage abseits jeglicher größerer Verkehrsstraßen fast gänzlich unberührt vom Fremdenverkehr, über seine Grenzen hinaus bekannt. Etwa ein Drittel der gesamten Ackerfläche war für diese Kartoffelzucht vorbehalten. Die Namen einiger der zugelassenen Kartoffelsorten trugen recht ungewöhnliche, aber durchaus fantasievolle Namen: Goldwährung, Volkswohl, Imposant, Hochprozentige, Glückspilz, Treff As, Depesche, u. a. m.

Familie Rettke aus Vangerske - eine Chronik in Bildern

Familie Rettke
Vangerske Juli 1935: Familie Hilfsweichensteller Gustav Rettke *1889 und Ehefrau Mathilde, geb. Panzer *1892

Die Familie Rettke hatte bereits eine längere Odysse durch den Landkreis Lauenburg und Stolp hinter sich, bevor sie um 1920 in Vangerske ansässig wurde. In Varzmin A wohnend, erhielt Gustav Rettke, jung verheiratet, die Möglichkeit als Hilfsweichensteller in Stellwerk Pottangow zu arbeiten. So bezogen sie ab 1920 das Bahnwärterhaus Nr. 184 in Vangerske. Zunächst wohnte auch die Schwiegermutter Johanne Panzer, geb. Kuschel (*1853 Rettkewitz-Vorwerk) bei ihnen. Sie starb 1934 an Altersschwäche.

 

Bereits 1936 verstarb auch ihre Tochter Mathilde Rettke, geb. Panzer mit nur 44 Jahren und hinterließ 8 Kinder, die jüngste Tochter Erika war 2 Jahre alt. Von den Großeltern (Rettke/Mielewczyk und Panzer/Kuschel) lebte niemand mehr. Die älteste Tochter Helene übernahm 18-jährig die Versorgung von Haushalt und Familie.

Konfirmation Helene Rettke
Konfirmation Helene Rettke

Ihre jüngste Schwester Erika sagte zu ihr „Mutti“. Ihr Bruder Paul Rettke *18.10.1931 zog nach Schurow und wurde dort von seinem Onkel August Panzer und Ehefrau Minna, geb. Eggert aufgezogen, die kinderlos geblieben waren. Aber ihn zog es immer wieder ins elterliche Bahnwärterhaus...

 

Ebenfalls bei der Bahn tätig, beorderte man August Panzer schon vor Ende des Krieges nach Binz. So kam Paul Rettke von der Ostsee zur Ostsee. Später heiratete er und lebte mit seiner Familie bis zum Tod in Bielefeld.

Hochzeit Figlon-Rettke
Hochzeitsfoto 21. Mai 1943 in Wiesenberg: Brautpaar Walter Figlon oo Anna Rettke

Anna Rettke war die zweitälteste Tochter *1922 in Vangerske. Die Eltern ihres Ehemannes waren Joseph Figlon u. Ehefrau Martha, geb. Schröder. Nach der Heirat wohnten sie in Lauenburg. Nach dem Krieg zunächst in Magdeburg, später in Heilbronn.

Geburtstag Willi Rettke
Geburtstag Willi Rettke

Willi Rettke *1923, der älteste Sohn, feiert seinen Geburtstag im Kreise der Familie und der Nachbarfamilie von Reichsbahner August Laugisch. Bei ihm eingehakt seine Verlobte.

 

Zu dieser Zeit ahnte keiner, dass es keine Hochzeit geben würde. Er ist im Alter von 21 Jahren im Krieg gestorben.

Willi Rettke *10.08.1923 Vangerske; +16.01.1944, gefallen in Djatlizy, UdSSR,

und

Ernst Rettke *1925 Vangerske. Der zweitälteste Sohn war 1943 beim RAD – Reichsarbeitsdienst. Er hat den Krieg überlebt, nach 1945 in der Nähe von Bonn geheiratet und ist dort auch verstorben,

und

Gustav Rettke (jun.) *26.08.1928 Vangerske. Er musste gerade auch noch zum Militäreinsatz, wo er schwer erkrankte. Nach dem Krieg heiratete er in Dortmund-Kurl in eine einheimische Landwirtsfamilie ein.

 

Was wurde aus den anderen Familienmitgliedern? Der Vater Gustav Rettke hatte nur einen kurzen Kriegseinsatz. Nach einer Beinverletzung war er bis zum Schluss des Krieges als Bahnfahrer tätig. Er starb mit 71 Jahren im Feierabendheim in Parchim.

 

Die älteste Tochter Helene Wolf, geb. Rettke war 1945 mit ihrer Tochter Ilse Marie über Stettin nach Lauenburg/Elbe gelangt. „Sind wir wieder in Lauenburg“, soll Ilse gefragt haben, denn sie hatten bei Kriegsende in Lauenburg/Lbg. gewohnt. Von dort aus bekamen sie die Zuweisung nach Ratzeburg. Helene hat dort zunächst im Haushalt der Geschäftsleute Möhler gearbeitet und gewohnt. Als ihr Mann aus dem Krieg zurück kam, wurde es eng in der Wohnung. Später haben sie in Ratzeburg  ein Siedlerhaus gebaut. Gestorben sind sie beide aber in Damme bei der Tochter Ilse.

 

Erna *1930 und Erika *1934 lebten nach dem Krieg zunächst ebenfalls in Magdeburg. Erna hat dort bis zu ihrem Lebensende verbracht. Sie war zweimal verheiratet (Haida und als Witwe: Garz). Erika Wiese, geb. Rettke „...ging in den Westen, hat sich dort durchgeschlagen“ – Lingen-Bremen-Langenberg. Hier wohnte sie mit ihrem Ehemann und starb in Damme.

Eine Geschichte über das Ansehen und die Stellung von Lehrern (am Beispiel des Lehrers Bewersdorf aus Vangerske)

Diese Geschichte wurde von Felix Rahn, der damals in Groß Runow, Mühle beheimatet war, erlebt und später in seinen „Erinnerungen an Wiesenberg“ im Stolper Heimatblatt, 1958 abgedruckt.

Es war zu einer Zeit, als unter den Füchsen die Tollwut umging und deshalb für die Hunde auch in Wiesenberg eine 4-wöchige Hundesperre erlassen war. Diese Anweisung war direkt an der Ortstafel angeschlagen. Als sich der Amtsvorsteher Herr Rahn auf einem sonntäglichen Spaziergang Wiesenberg näherte, genoss er zunächst den herrlichen Ausblick vom Wussinnen Berg auf das im Tal in voller Baumblüte liegende Dorf. Aber kurz danach wurde er von einer wütenden Hundemeute angegriffen. Die Dorfjugend befreite ihn aus seiner misslichen Lage und er strebte dem Dorfausgang am anderen Ende in Richtung Schule zu. Doch auch hier wurde er von dem freilaufenden Terrier des Lehrers Bewersdorf wütend angeknurrt. Der Lehrer Emil Bewersdorf begrüßte ihn freundlich und lud ihn zu einem Gläschen selbst gekellerten Johannisbeerwein ein, das auch sogleich von der Gattin Klärchen Bewersdorf in der Gartenlaube serviert wurde.  

Der Lehrer Bewersdorf wies ihn auch darauf hin, dass zu der Zeit die Gössel auf dem schönen, grünen Anger vor der Ortstafel von den Omas und Opas geweidet würden. Diese Eintracht durch das Lesen der Tafel zu stören sei höchst gefährlich. Der Amtsvorsteher, der für die Einhaltung der angeschlagenen Verordnung zuständig war, trat zwar gestärkt und mit guter Laune den Heimweg an, überlegte aber dennoch, wie er seiner Verantwortung gerecht werden könnte. Schließlich wandte er sich an den zuständigen Gendarmeriebeamten. Dieser bestätigte ihm, dass er Wiesenberg gut kenne, es aber für ihn dort nicht zu tun gäbe. Da es in Wiesenberg keinen Gasthof gäbe, fänden auch keine Tanzveranstaltungen und also auch keine Keilereien statt. Die Leute gingen ansonsten friedlich ihrer Arbeit nach. Herr Rahn legte ihm nach diesen Ausführungen nahe, einmal in Sachen Einhaltung der Hundesperre in Wiesenberg vorstellig zu werden.

Nach einigen Tagen erhielt er von dem Beamten die gewünschte Auskunft. Er sei in Wiesenberg gewesen du habe keinen Hund angetroffen. Herr Rahn war zufrieden, gleichzeitig aber auch ein wenig unsicher ob der Bestechlichkeit des Beamten – vielleicht, wie er dachte, auch mit Johannisbeerwein.

Bei einer gemütlichen Doppelkopfrunde in Groß Runow,  wo er häufig mit Bürgermeister Bruno Buhrke und eben auch mit dem Lehrer Bewersdorff zusammen traf, erfuhr er schließlich, was sich tatsächlich in Wiesenberg ereignet hatte:

Um Wiesenberg vor einer Ordnungsstrafe zu bewahren, hatte der Lehrer bereits in der ersten Stunde am Montag einen kommunalpolitischen Unterricht abgehalten. Anschließend hatte er mit den Schülern die Anweisung an der Ortstafel gelesen. Er hatte die Autorität besessen, durch die Schüler die Botschaft zum Einsperren der Hunde im Orte durchzusetzen.

Und abschließend bemerkt der Amtsvorsteher Felix Rahn, dass er häufiger mit dem Lehrer Bewersdorff einträchtig in kommunalen Verwaltungsangelegenheiten habe zusammen arbeiten können. 
 

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