Evangelische deutsch-reformierte Gemeinde

Zeit des Aufbaus

Schlosskirche
Schloßkirche

Die reformierte Gemeinde Stolp wird, wie andere in Pommern auch, unter der Herrschaft Friedrich Wilhelm I., des Großen Kurfürsten, gegründet. Die Bedingungen sind dazu gut, da das brandenburgische Herrscherhaus bereits in der dritten Generation der evangelisch-reformierten Religion angehört. Zudem sind die religiös Verfolgten in Brandenburg-Preußen herzlich willkommen und manche bringen aus der Schweiz, aus Frankreich und anderen Ländern bereits ihr reformiertes Bekenntnis mit.

Seit 1672 ist in Stolp, zunächst in einem Privathaus, viermal jährlich reformierter Gottesdienst. Dazu reist der reformierte Prediger Majewski aus Charbrow Kr. Lauenburg nach Stolp. Diese provisorische Lösung dauert bis zum Jahr 1683, in welchem die Gemeinde einen eigenen Prediger, Dieterich Farver, aus Bremen bekommt. Der damalige Referent am Landgericht Stolp, Johann Zacharias Mylius, unterstützt die Gemeinde in ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit tatkräftig. Ein Jahr später stirbt Ernst Bogislav Herzog von Croy, und mit seinem Tod fallen Schloß und Schloßkirche in Stolp an die brandenburger Herrschaft. Die kleine reformierte Gemeinde nutzt diese Gelegenheit geschickt, um die Nutzung der Schloßkirche beim Kurfürsten zu beantragen. Mit der bisherigen Schloßgemeinde, die ebenfalls sehr klein ist, wird man sich am 8. April 1685 über eine gemeinsame Nutzung der Kirche vertraglich einig und Kurfürst Friedrich III. bestätigt die Einigung am 12. Oktober 1693. Im Mönchhof des ehemaligen Klosters entstehen ein reformiertes Predigerhaus und eine reformierte Schule.

Dies alles geht trotz der schützenden Hand des Kurfürsten nicht ohne Streit, Erregung der lutherischen Pastoren und Verweigerungen friedlicher Zusammenarbeit ab. Besonders Diakonus Peter Hille von St. Marien und Präpositus Placatomus versuchen, die Entwicklung der reformierten Gemeinde und auch die Mitnutzung der Schloßkirche zu hintertreiben. Auch Rektor Paul Lütkemann von der Ratsschule weigert sich, seine Schüler im reformierten Gottesdienst singen zu lassen.

Der Gemeindebezirk ist mit den Kreisen Bütow, Rummelsburg, Schlawe und Stolp sehr groß und reicht sogar noch nach Westpreußen hinein. Die reformierten Gemeinden in Rügenwalde, Wilhelminendorf und Coccejendorf im Kreis Schlawe, sowie in Marienfelde und Tuchel in Westpreußen werden ca. 1707 als Filial der Gemeinde in Stolp zugeordnet. Eine Karte zeigt die Ausdehnung des Gemeindebezirks. Die Kirchenbücher beginnen 1686.

 

Die Zahl der Gemeindemitglieder ist zu Beginn noch sehr klein. Anhaltspunkte für die Anzahl der reformierten Stolper Bürger liegen in je einer Aufstellung der Kommunikanten bei Amtsbeginn und Amtsende des 4. reformierten Pastors Johann Heinrich Amman vor. Danach sind es im Jahr 1702 ungefähr 38 und in 1715 um die 56. Die Listen der Kommunikanten finden Sie am Ende des Artikels.

Die Pastoren

  1. Dieterich Farver, 1683-1686, in Bremen geboren, förmliche Vokation als kurfürstl. Hofprediger 1684 und eingeführt am 8. April 1685. Im Jahr 1686 zum Hofprediger in Königsberg berufen. Gestorben 1697.
  2. D. Barthold Holtzfuß, Hofprediger in Stolp 1686-1696, am 11. Dezember 1659 in Rügenwalde geboren. Eltern: Johann H. und Anna, geb. Scheele. Er legte die ersten Kirchenbücher an. Ging 1696 als Professor der Physik und Theologie zur Universität Frankfurt/Oder. Gestorben 2. August 1716 in Frankfurt/Oder. Er war verheiratet mit Juliane Charlotte Giebel (oo Stolp 13.07.1688). Kinder: Ein Adoptivsohn (Name nicht bekannt).
  3. Johann Christoph Schwarzmeier, Hofprediger in Stolp 1697-1702, in Bückeburg geboren. Ging 1702 als Prediger zur ref. Gemeinde in Kolberg. Gestorben am 3. Mai 1707 im 37. Lebensjahr.
  4. Johann Heinrich Amman, Hofprediger in Stolp 1702-1715, 1665 in Zürich geboren, kam von Stargard, wo er 2. Prediger war und ging am 30. Juni 1715 als Hofprediger dorthin zurück. Gestorben am 29. November 1729. Verheiratet mit Dorothea Elisabeth Röttcher, die am 5. Dezember 1754 mit fast 74 Jahren verstarb.
  5. Ludolf Meierotto, Hofprediger in Stolp 1715-1723, aus Bremen, war seit 1705 Prediger am reformierten Waisenhaus in Königsberg, gestorben am 19. August 1723 in Stolp. Er war verheiratet mit Charlotte Luise Berent.
  6. Timotheus Christian Stubenrauch, Hofprediger in Stolp 1723-1732, in Quartschen/Neumarkt geboren, kam von Berlin und wurde 1732 vom König unmittelbar zum Hofprediger am Dom in Berlin berufen. Gestorben im August 1750 in Berlin. Er war verheiratet mit Charlotte Luise Berent, der Witwe des Predigers Meierotto.
  7. Dr. Dietrich Siegfried Claassen, Hofprediger in Stolp 1732-1733, geboren am 4. November 1685 in Frankfurt/Oder. Er kam von der Hofpredigerstelle in Küstrin und hatte sein Amt in Stolp nur vom 31. März 1732 bis zum 11. August 1733 inne. Danach war er Hofprediger in Herborn, wo er 1743 starb.
  8. Immanuel Wasmuth, Hofprediger in Stolp 1733-1760, geboren in der Grafschaft Lippe. Er trat sein Amt am 20. September 1733 an und starb in Stolp am 14. Juli 1760. Verheiratet mit Anna Dorothea Elsner.
  9. Johann Kaspar Lorenz, Hofprediger in Stolp 1760-1776, aus Mannheim, seit 1755 Prediger an der Charité und dem Invalidenhaus in Berlin. Er übernahm das Amt in Stolp am 19. Oktober 1760 und starb am 23. März 1776. Unverheiratet.
  10. Gotthilf Peter Krüger, Hofprediger in Stolp 1776-1803, aus Berlin, war vorher Assistent des Hofpredigers in Potsdam. Amtseinführung am 3. November 1776, gestorben am 4. Januar 1802. Er war verheiratet in 1. Ehe mit Friederike Marie Luise Hermann und in 2. Ehe mit Angélique Roloff.
  11. Dr. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Hofprediger in Stolp 1802-1804, geboren in Breslau am 25. November 1768 (Vater: Gottlieb Sch.), war vorher Prediger an der Charité in Berlin. Amtsantritt in Stolp am 6. Juni 1802. Gestorben 12. Februar 1834. Er war seit Mai 1809 verheiratet mit Henriette v. Willich, geb. v. Mühlenfels.
    (Es handelt sich um den bekannten Schriftsteller, Philosoph, Staatstheoretiker und Kirchenpolitiker, Schwager von Ernst Moritz Arndt).
  12. Christian David Henning, Hofprediger in Stolp 1804-1806, geboren am 1. August 1772 in Stargard, vorher Hilfsprediger zu Judschen/Inspektion Gumbinnen. Im August 1806 wurde er Pastor in Neu-Anspach. Gestorben am 7. Dezember 1831 in Züllichau. Er war verheiratet mit Charlotte Wilhelmine Gießow.
  13. Johann Bernhard August Küster, Hofprediger in Stolp 1806, vorher Pastor in Neu-Anspach. Am 2. September 1806 trat er sein Amt in Stolp an und starb bereits im Oktober des Jahres.
  14. Friedrich Severin Metger, Hofprediger in Stolp 1807-1834, geboren in Lengerich/Grafschaft Tecklenburg. Er war vorher Prediger an der Charité in Berlin und hielt seine Antrittspredigt in Stolp am 5. Juli 1807. Gestorben am 30. Dezember 1834. Verheiratet seit 1809 mit Friederike Philippine Thiele aus Berlin.

Umwandlung in eine unierte evangelische Gemeinde

Mit Billigung des Ministers der geistlichen Angelegenheiten vom 30. Januar 1837 wird genehmigt, dass die bisher reformierte Gemeinde in Stolp aus dem Verband der reformierten Synode von Pommern ausscheidet. Fortan nennt sich die jetzt unierte Gemeinde Kirchengemeinde St. Johann. Die Gottesdienste werden weiterhin in der Schloßkirche abgehalten. Das Patronat bleibt beim König.

Der Wohnungsanzeiger für die Stadt Stolp von 1882 führt die Kirchengemeinde jedoch immer noch unter "Ev. reformierte Hof-Gemeinde" auf. Das könnte ein Hinweis sein, dass nur die Verwaltung der Gemeinde uniert wurde, nicht jedoch die Bekenntnisse. Es könnte aber auch ganz einfach ein Fehler sein. Die ab 1912 nachfolgenden Adressbücher nennen lediglich die Gemeinde St. Johann.

Unterstützung durchziehender Siedler

1709-1710 wütet in Ostpreußen die Pest. Mehr als ein Drittel der vor nicht allzu langer Zeit erst frisch angesiedelten Bevölkerung fällt der Epidemie zum Opfer. Ganze Dörfer und Landstriche sind plötzlich nicht mehr besiedelt und das Land verödet.

In Berlin wird daraufhin eine Kommission zur Wiederbesiedelung eingesetzt, die unter der Leitung von Heinrich Rüdiger von Ilgen (Kabinettschef) und Alexander von Dohna ihre Arbeit beginnt. Am 20. September 1711 wird ein Patent veröffentlicht und auf breiter Basis bekanntgemacht, das sich vor allem an potentielle (calvinistische) Siedler aus der Schweiz richtet. Der Aufruf hat Erfolg und bald schon sind Schiffe mit den neuen Siedlern auf dem Weg nach Königsberg, um von dort verteilt zu werden. Über Land reisen nur wenige. Dennoch hat die kleine reformierte Gemeinde in Stolp, die um diese Zeit max. 50 Familien umfasst, viel aufzubringen und zu ertragen, allen in Stolp haltmachenden Reisenden Essen, Unterkunft und zumindest einen "Zehrpfennig" zu geben.

Für die Zeit von 1714-1733 führt die Gemeinde ein "Rechnungsbuch", in dem die Namen der bewirteten Reisenden und weitere Einzelheiten aufgenommen werden. Um den Zug der Siedler aus der Schweiz, aber auch aus Frankreich und einigen Gebieten von Deutschland zu dokumentieren, hat Rechtsanwalt Dr. Walter Eylert aus Stolp einen Auszug daraus erstellt, der die Grundlage der nachfolgenden Tabelle bildet.

Quellen

  • Eylert, Dr. Walter: Die Anfänge der reformierten Gemeinde in Stolp (Pommern) 1672-1715, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, 1934, S. 336ff. u. 364ff.
  • Eylert, Dr. Walter: Reformierte Siedler auf dem Wege nach Ostpreußen und zurück 1714-1733, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete, 12. Jahrgang, 1935
  • Heyden, Hellmuth: Kirchengeschichte Pommerns, Band II, S. 99
  • Holder, Georg (Bearb.): Wohnungsanzeiger für die Stadt Stolp nebst den wichtigsten Adressen des Stolper und der umliegenden Kreise, Stolp 1882, I. Anhang, 4. Abt., S. 11
  • Müller, Ernst: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart, S. 547ff. u. 463f.
  • Pagel, Karl-Heinz: Stolp in Pommern - eine ostdeutsche Stadt, Lübeck 1977, S. 236f.
  • Scharnofske, Paul: Die Schloßkirche in Stolp, ihre Pfarrer und Gemeinden, in: Ostpommersche Heimat 1937, Hefte 32-35

(Peter Kohlhas)

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