Einrichtungen des Dorfes

Kartenausschnitt Kunsow - Messtischblatt 1667
Kartenausschnitt Kunsow - Messtischblatt 1667

Mit dem Bau der Bahnverbindung von Stolp nach Neustettin wurde auch Elektrizität/Strom über Überlandleitungen von Beßwitz nach Kunsow gebracht. Am Ortsausgang befand sich ein Trafohäuschen.
Die Wasserversorgung im Ort wurde über diverse Brunnen abgesichert, auf die eine Pumpe gesetzt wurde. Die Arbeiter mussten sich ihr Wasser oft von einem zentralen Brunnen z. B. vom Schweizerhaus holen.
Abwasserleitungen gab es nicht. Toiletten gab es als sogenannte Plumpsklos auf jedem Gehöft.
Einige wenige, wie der Gutsbesitzer und zwangsläufig die Poststelle hatten einen Telefonanschluss. Der Fleischermeister Höppner hatte diesen nach kurzer Zeit aus Kostengründen wieder abgekündigt.

Die Feuerwehr verfügte anfänglich über einen Leiterwagen mit Handpumpe. Diese wurde später durch eine Motorpumpe ersetzt. Im Ort gab es im Hause Papenfuß eine Feuermeldestelle. Bei einem Brand wäre mit einem Signalhorn im Ort Feueralarm ausgelöst worden. Nennenswerte Brände gab es jedoch nicht.

tl_files/Abbildungen/Abbildungen Heimatorte/kunsow/kunsow_torfstechen.jpgEs gab eine Gastwirtschaft mit einem großen Saal, eine Poststelle, einen Schuster, einen Tischler, sowie Förster und Schmied, die jedoch vom Gut angestellt beschäftigt wurden. Die einfachen Dorfbewohner mussten für Schmiedearbeiten in Nachbarorte fahren.

Von Kunsow in Richtung Kulsow befanden sich Torfstiche. Dort hatten die Bewohner einige Flurstücke, auf denen für den Eigenbedarf Torf gestochen wurde. Dieser wurde nach erfolgreicher Trocknung zum Kochen verfeuert.

Ein Sportplatz war ebenfalls vorhanden und wurde vornehmlich zum Schulsport genutzt.

In seinem Haus vollzog Paul Mewes als Bürgermeister auch standesamtliche Trauungen. Das Büro befand sich direkt hinter dem Haupteingang. Links daneben war ein separater kleinerer Eingang.

Ein Postbus fuhr mehrmals täglich von Stolp über Kublitz -Lossin - Zirchow - Kunsow und Kulsow und dann wieder die gleiche Tour zurück.

In Kublitz war auch die Polizeidienststelle und Polizeistreifen kamen entweder mit dem Rad oder hoch zu Ross, um nach dem rechten zu schauen.

Die polnischen Arbeiter durften im Kriege nach Eintritt der Sperrzeit nicht mehr aus den Häusern. Bei Zuwiderhandlungen gab es Strafzettel, die zum Monatsende abbezahlt werden mussten. Da es aber noch keinen neuen Lohn gab, mussten sie sich das Geld leihen, was immer ein schwieriges Unterfangen darstellte.

Die Hebamme Frau Marßel musste aus dem Nachbarort Quackenburg gerufen werden und kam ebenfalls mit dem Rad oder wurde mit der Kutsche abgeholt. Ihr Mann war Stellmacher.

Im „weißen Haus“, das nach dem verbauten weißen Kalksandstein so genannt wurde, war auch der Saisonkindergarten untergebracht. In der Gemeindeseelenliste mit Stand 1939 wird Else Kriewall als angestellt im Kindergarten (Erzieherin ?) angeführt.

Außerhalb vom Ort gab es in Richtung Schlönwitz noch einen Birnbaum, Pracherbaum (Bettler) genannt und eine Strohscheune. Letzter wurde zu Kriegsende von der russischen Artillerie in Brand geschossen.

Nahe dem Lindenberg, so volkstümlich nach einer Linde benannt, die heute noch dort steht, kartografisch auf dem Messtischblatt Nr.1667 - Kulsow - jedoch als Blocksberg eingezeichnet, befand sich ein Trigonometrischer Punkt. Dieser wurde beim Pflügen schon mal versehentlich umgepflügt. Er diente den Fliegern meist als Orientierung für das Aufstellen der Zielscheiben für das scharfe Schießen. Dann musste diese Gegend weitläufig gemieden werden.

Gesangsverein
Gesangsverein

Im Ort gab es einen gemischten Gesangsverein. Ein Foto vom Auftritt ist erhalten geblieben.

Scheinbar ist es im Saal der Gaststätte aufgenommen worden.

Dort kam auch gelegentlich der Landfilm und zeigte die neusten Filme. Da immer ein Feuerwehrmann mit dabei sein musste, durfte Reinhard Papenfuß gelegentlich seinen Vater begleiten, wenn es denn die Altersbestimmungen erlaubten.

Kriegs- und Nachkriegszeit

Ab 1943 wurden bei diversen Bauern bereits Flüchtlinge aus Stettin untergebracht. So auch eine Familie Völz mit Ihren Töchtern Gisela und Inge. Es gibt ein Foto der beiden, vor dem Haus von Gerhard Papenfuß, wo sein Sohn Reinhard auf dem Akkordeon spielt und die Mädchen, seitlich links und rechts stehend, zuhören.

 

tl_files/Abbildungen/Abbildungen Heimatorte/kunsow/kunsow_kreuz_massengrab.jpgViele Einwohner verließen Kunsow beim Herannahen der sowjetischen Armee, besonders diejenigen, die kaum über Besitz verfügten. Wieder andere harrten bis zum bitteren Ende, dem Einmarsch der Roten Armee, aus.
Eine Frau ertränkte sich und ihre Kinder bereits nach 2 Tagen im nahegelegenen Rohrbach, um den Gräueltaten der sowjetischen Soldaten zu entgehen.
Gerade für die zurückgebliebenen Männer und erst recht für die Frauen und jungen Mädchen wurde es dann oft zum tödlichen Alptraum. Männer wurden ohne Vorwarnung auf der Straße erschossen, Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und dabei oder danach getötet. Diese zivilen Opfer der ersten Tage wurden auf den kleinen Ortsfriedhof in einem Massengrab beerdigt. Lange Zeit erinnerte ein großes Holzkreuz, mit allen Namen versehen, an diese Morde. (Paul Kabbe, Opa Papenfuß, Frieda Potratz mit Sohn Wilfried und Tochter Erika).

Andere junge Frauen und Mädchen, die als arbeitsfähig eingestuft wurden, kamen in das Militärgefängnis von Graudenz und mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen mit bis zu 20 Gefangenen eine Zelle teilen und auf den Abtransport in sibirische Arbeitslager warten. Auch hier waren sie immer der Willkür und dem Zugriff durch die sowjetischen Bewacher ausgesetzt. Manche überlebten das Warten auf die Transporte nicht und wurden in Massengräbern verscharrt. Nur einige wenige konnten kurzzeitig zurück in ihre Dörfer. Dort wurden sie dann auf wenige Dörfer konzentriert, in denen Arbeitskräftemangel herrschte. Kunsow war auch davon betroffen.

 

Eine Ausreise nach Deutschland wurde nicht mehr genehmigt. 1946 mussten alle verbliebenen Deutschen ihr Hab und Gut aufgeben und in die Arbeiterwohnungen des Gutes umziehen. (z.B. in das Schweizerhaus. Manchen gelang es zumindest noch das Bettzeug zu retten. Möbel und Inventar verblieben für die nachrückenden Polen in den Häusern. Bis einschließlich 1950 gab es von den Sowjets kein Geld für die zu leistende Arbeit. Ausgezahlt wurde in Naturalien, so dass die Deutschen sich auch nichts dazu kaufen konnten. Als dann die Polen die Verwaltung übernahmen, wurde ein geringer Lohn gezahlt (die Hälfte eines polnischen Arbeitslohnes, aber immerhin). Dann konnte man auch mal ein Schwein abkaufen und für den Eigenbedarf schlachten. Ein polnisches Pärchen, das vorher als Arbeiter auf getrennten Höfen (Josef bei P. Mews / und sie bei Maron) arbeitete, zog dann als Familie mit Kind in das Haus von Paul Mews. Zu diesen beiden Polen blieb das Verhältnis durch die jahrelange vorherige Zusammenarbeit weiterhin gut.

 

Alle Angaben zu der Zeit von 1936 bis 1957 habe ich aus Telefonaten und persönlichen Treffen mit Reinhard Papenfuß und Wally Höppner, denen diese Ortsbeschreibung zu verdanken ist.

Ihnen habe ich diese Ortsbeschreibung, versehen mit einem großen DANKESCHÖN gewidmet.

(Rainer Steingräber)

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