Zur Geschichte von Sochow bis 1945

Ortsplan

Ortsplan
1 Waldemar Ebel, sen. (12,75 ha) 35 Heidekaten
2 Willi Jagnow (15,00 ha) 36 Robert Sieg u. Emma (3,75 ha)
3 Willi Pinnow (20,00 ha) 37 Gerhard Holz, Wilh. Jantz (6,75 ha)
4 Ewald Radde (12,50 ha) 38 Artur Jantz (14,25 ha)
5 Karl Bonitz, Benitz (12,50 ha) 39 Friedhof
6 O. Kuske 40 Erich Frenk, Frenck (12,50 ha)
7 Witwe Gertner 41 Friedrich Döring (4,08 ha)
8 Hermann Schramm, sen. (13,78 ha) 42 Arthur Schöwe, Bes. Otto Kroggel (12,50 ha)
9 Otto Stobbe 43 Marie Kroggel
10 Fritz Lenke (13,25) 44 Otto Zemke (?, 16,25 ha)
11 Witwe Marie Pinnow (13,25 ha) 45 Rudolf Pleines (16,50 ha)
12 Max Hupp (3,50 ha) 46 NN Meier? (evtl. Walter – dann: 13,99 ha)
13 Paul Marz (11,00 ha), Erich Dahlke 47 Johannes Jantz (2,00 ha)
14 Werner Gemkow (13,75 ha) 48 Alfred u. Wille Schön (17,00 ha)
15 Max Schmidtke (20,00 ha) 49 Schulacker
16 Erhard Kant (16,25 ha) 50 Molkerei Jakobs
17 Hermann Westphal /11,25 ha) 51 Hugo Neumann (0,25 ha)
18 Karl Brodt, Brodd 52 Gemeindeplatz
19 Heinrich Tebbert, Tabert (15,75 ha) 53 53 Sportplatz
20 Friedrich Grunewald (20 ha) 54 Wilhelm (?) Jantz (6,75 ha)
21 Paul Marz (11,00 ha) 55 Max u. Margarete Glumm (15,00 ha)
22 Witwe Kroggel (Besitzerin), Will Kloss 56 NN Schön
23 Hermann Frankenstein (6,50 ha) 57 (Reinhold) Döring (13,38 ha)
24 Reinhold Schiewer (6,50 ha) 58 NN Meier
25 Eduard Meyer 59 NN Stobbe
26 Emil Bartz (9,75 ha) 60 NN Mielke
27 Hermann Schramm (13,78 ha) 61 Wilhelm Jakobs
28 Walter Hey, Adelheid Hay (9,71 ha) 62 Gustav Kamin (15,25 ha)
29 Werner Wolfgramm (35,95 ha) 63 Acker Kamin
30 Ewald Marzke (20,50 ha) 64 Acker Glumm
31 Gustav Maaß (14 ha und Ackerfläche) 65 Acker Jakobs
32 Otto Weidt, Woidt (12.25 ha) 66 Acker Hirth
33 Unbek. 67 Pachtacker Schön
34 Emma Sandkaten, NN Neumann 68 Acker R. Döring
       
Gemeinde: 20 ha    
Schule: 3,00 ha    
Wege und Unland: 38,85 ha    

Zur Geschichte des Rittergutes Sochow

Die Familie Puttkamer war ein Uradelsgeschlecht in Hinterpommern. In vielen Orten, auch in der Umgebung von Sochow, lassen sich Familienmitglieder als Lehnsherren von Gutshöfen finden. Genannt sei hier nur kurz: Martin von Puttkamer 1457 (Sochow), Hans Putkummer 1523 (Sochow), Peter von Putkummer 1523 (Pottangow), Marten Putkummer 1523 (Darsin).

Puttkamer, Puttkammer, Puttkumer – viele Formen sind zu finden, alle sollen auf „putcumer“ aus dem Slawischen zurückgehen und ursprünglich eine slawische Amtsbezeichnung für den Unterkämmerer gewesen sein. Der Ahnherr lässt sich bis in die Zeit von 1257 bis 1260 („Svenzo“) zurückverfolgen. In den pommerschen Erbfolgestreitereien führten sie die Regierungsgeschäfte und regierten in Schlawe und Stolp. Der Ritter Peter Putcumer (auch Puthkamer) war herzoglicher Unterkämmerer. Von 1457 bis 1878 findet sich als Stammhaus das Gutshaus in Wollin. Das Stammwappen, der „Fischgreif“, bildet nicht nur das Familienwappen der Puttkamer, sondern kommt auch in verschiedenen Stadtwappen von hinterpommerschen Städten vor. Es war ursprünglich das Wappen der Swenzonen, der Wappenspruch lautete übersetzt: „Künstliches ist nicht von Dauer“. Besonders schön anzusehen war das Wasserschloss in Deutsch Karstnitz, auf dem die Familie Puttkamer 259 Jahre lebte und regierte.

Von: Bastian, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16724694
Von: Bastian, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16724694

Für die Zeit des 30jährigen Krieges sind speziell für Sochow keine Daten verfügbar. Im Westphälischen Friedensschluss von 1648 kam Hinterpommern zu Brandenburg-Preußen. Aber erst fünf Jahre später zogen die schwedischen Truppen tatsächlich ab. Von 1655 wurden Bestandsaufnahmen durch die Grundherren durchgeführt. Deren Berichte dienten lediglich dem Zweck, steuerbare Hufen anzugeben und nicht, um das Leid und das durchgemachte Elend der Landleute abzubilden. Die alten pommerschen Hufenmatrikel von 1628 stellten keine realistische Grundlage mehr dar, so mussten die Steuerverhältnisse erst neu geordnet werden. Es gab verschiedene Anläufe, die Verhältnisse auf realistischere Grundlagen zu stellen (z.B. 1684 im „Lustrationsmatrikel“, veranlasst durch den Großen Kurfürsten als neuen Pommerschen Landesherr). 1714 gab es einen erneuten Anlauf des Generalmajor Peter v. Blankensee-Wulkow und eine Classificationscommission nahm die Arbeit auf. Es entstanden Besitzer- und Bauernlisten in den Jahren 1717 und 1732, sodass für die ländliche Zeit vor 1800 gute Daten erarbeitet wurden und heute noch vorliegen.

Für die sog. „Amtsdörfer“, die unter königlicher Verwaltung standen, gab es die „Praestationstabellen“, die im Jahr 1732 beginnen und im Rhythmus von sieben Jahren neu aufgestellt wurden. Neben diesen Amtsdörfern oder auch „königliche Dörfer“ genannt, gab es die „Herrendörfern“, zu denen auch Sochow gehörte. Die aufgestellte Hufen-Klassifikation für dieses adlige Gut benennt für 1717 folgende Besitzer:  

Gutsbesitzer:                   Claus Curth von Pirch

Bauern: à ½ Lh.:             

1. Jürgen Grohek

2. Marten Sontag

3. Hanß Schwuchow

Cossäthen:                      

1. Peter Woyt

2. Michel Kiwatz

Aus der Auflistung geht hervor, dass sich Sochow, wie auch der Nachbarort Poganitz, zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Familie Pirch, einer hinterpommerschen Adelsfamilie, befand.  In frühen Jahren waren sie „Von Pirchen“ genannt worden und es handelte sich um ein pommersches Uradelsgeschlecht, das mit dem Deutschen Orden nach Pommerellen gekommen war. Urkundlich sind sie bereits im 13. und 14. Jh. erwähnt. So erhielt der Urahn Jasborn Pirscha (auch Pyrsza) aus Böhmen zur  Belobigung für seine Dienste als Feldherr vom Dt. Orden einige Orte in Lauenburg/Hinterpommern. In der nächsten Generation soll die Aufteilung in die Lauenburgische und in die Stolpsche Hauptlinie erfolgt sein.

Das Wappen des Adelsgeschlechts von Pirch
Das Wappen des Adelsgeschlechts von Pirch

1727 starb Claus Curt von Pirch in Sockow (Sochow). Von 1728 bis 1777 wird Sochow an das pommersche Adelsgeschlecht der von Grumbkow verpfändet. Am 30. September 1777 erwirbt Anton Ludwig von Putkamer Sochow vom Generalmajor von Grumbkow zurück, verkauft es aber bereits 1777 weiter an Hans Felix von Pirch (für 4900 Reichstaler).

1784 erschien die „Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes...“ für Vor- und Hinterpommern von Ludwig Wilhelm Brüggemann. Den Zustand von Sochow beschrieb er darin für folgendermaßen (S. 1006):

  • 1 Vorwerk (mit 2 Familien)
  • 3 Bauern
  • 2 Coßäthen
  • 1 Holzwärterwohnung (auf der Feldmark des Dorfes)
  • 8 Feuerstellen insgesamt
  • Reichlich Eichen- und Buchenholzungen
  • In der Stolpschen Synode zu Lupow eingepfarrt

Zu diesem Zeitpunkt war das Gut noch im Besitz von Hans Felix von Pirch. In der Lupower Kirche, zu der Sochow gehörte, zeigte sich das Wappen derer von Pirch mit den Buchstaben HF. v. P. rechts und links vom Wappen im dritten nördlichen Seitenchor. Auch 1804 wird ein von Pirch (lt. Pagel, S. 915) als Besitzer genannt. Herr George Ernst Friedrich Ferdinand von Pirch stirbt als Königl. Major außer Diensten am 15. April 1820. Zwischen 1809 – 1811 wurde als Gutsbesitzer bereits ein von Mach angeführt.

1827 starb in Sowchow die Gräfin Dorothea Tugendreich von Raumer, geb. von Küssow. Seit 1806 war sie verwitwet. Warum nahm sie ihren Wohnsitz in Sochow? Ihr Ehemann Karl Albrecht war 1806 in Berlin gestorben. Dazu ein kurzer Überblick zu dieser Ehe, die hauptsächlich aus den Leistungen des Ehegatten besteht. Von Dorothea ist bekannt, dass sie die Hofdame von Fürstin Luise von Brandenburg-Schwedt war: 

Karl Albrecht Friedrich von Raumer (1729-1806)

Familienmitglied des Adelsgeschlechts Raumer, preußischer Generalleutnant und Ehefrau Dorothea Tugendreich von Küssow (1752-1827): 

Karl Albrecht Friedrich von Raumer *03.03.1729 in Dessau als jüngster Sohn von Johann Georg u. Ehefrau Albertine Charlotte geb. von Reinhart. Die von Raumer waren ein ursprünglich oberpfälzisches Adelsgeschlecht, der Vater bekleidete den Rang eines Geheimen Rates und Regierungsdirektors und auch die Mutter kam aus der Familie eines Geheimrates (Kanzler Johann Georg v. Reinhardt zu Bernberg).

Karl Albrecht kam bereits 1744 mit nur 15 Jahren zum Infanterieregiment „von Anhalt-Dessau“ und wurde als Gefreiterkorporal angestellt und nahm in der Folge an verschiedenen Schlachten/Kriegen teil; 1786 bat er um Verabschiedung aus dem militärischen Dienst, da er sich vom König Friedrich d. Großen nur ungenügend honoriert fühlte. Als jener jedoch im selben Jahr (1786) starb, holte ihn dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm II. zurück in den Dienst und er wurde am 29.12.18786 Chef des Füsilierergiments „von Brünneck“, welches in Stolp lag. Nach weiteren vielfältigen militärischen Aufgaben besetzte er mit seinem Truppenkorps während der 2. Teilung Polens die Stadt Danzig. 1793 wurde er dort Gouverneur. 1795 schließlich trat er in den Ruhestand, versehen mit einer stattlichen jährlichen Pension. 

Er starb am 24.12.1806 Berlin und hinterließ seine Ehefrau Dorothea Tugendreich, geb. Gräfin von Küssow (1752-1827). Sie hatten am 16. November 1769 in Stargard geheiratet. Dorothea starb am 13. September 1827 in Sochow.

Die Ehe blieb kinderlos, Erben waren die Geschwister:

Sterbeeintrag aus dem Ev. Kirchenbuch Lupow 1827
Sterbeeintrag aus dem Ev. Kirchenbuch Lupow 1827

Im Jahr 1828/5 vermerkt das Sterbebuch der Ev. Kirche von Lupow für Wendisch Karstnitz:

„Am 04. Februar 1828 starb Carl Heinrich Erdmann Graf von Roedern ... in seinem Wagen auf seiner Rückkehr von einer Visite in Sochow am Schlagfluss und wurde danach am 08. Februar im Gewölbe zu Wendisch Carstnitz beigesetzt. Er war zu Hollstein in Schlesien am 18. Juni 1772 geboren, und verwählt im Jahr 1796 mit Caroline geb. v. Katzler, welche ihm 8 Kinder geboren hat ... Erben: 1. Emil; 2. Fünf Kinder von seiner ersten verstorbenen Tochter ...; 3. Lonnie verh. v. Pritt...; Alfred – Lieut. im 4. Curassier-Rg.; 5. Maria Agnes; 6. Caroline; 7. Natalie; 8. Auguste.“  

 

Weitere Besitzer sind z. B. aus dem Ev. Kirchenbuch von Lupow zu erfahren:

  • Der Königl. Preuß. Major und Besitzer von Sochow Herr Franz von Wyschetzky mit Ehefrau Henriette geb. von Heythuysen (gen. Um 1830). Herr von Wyschewsky war Hauptmann bei der 17. Linieninfanterie zu dieser Zeit.

1831 ist ein hartes Jahr für die Familie. Die Scharlachröteln gehen um und auch die Kinder der wohlhabenderen Familien bleiben nicht verschont. Der jüngste Sohn Eduard Anton Ernst Franz von Wyschetzky stirbt am 03. Juli und wird auf dem Kirchhof am 08. Juli beerdigt. Da die Tochter Amalie Marianne Aarelie Concordie zwei Tage nach ihrem Bruder – am 05. Juli starb – werden beide Kinder gleichzeitig beerdigt. Sohn Eduard ist gut 3 ½ Jahre, die Tochter Amalie gut 6 ½ Jahre alt gewesen. Am 16.September 1835 bringt die Frau Gemahlin die Tochter Olga Johanna zur Welt. Als Taufpaten sind genannt: Herr Eugen von Zanthus auf Wendisch Carstnitz; Herr Adam von Pirch auf Polschen; Frau Apollonia Schramm geb. Wyschetzky aus Bornzin; Fräulein Celestine v. d. Marwitz aus Kl. Nossin.

  • 1841: Franz Friedrich von Lewinski u. Ehefrau Hermine geb. von Gottberg (am 16.06.1842 wird Tochter Hedwig geboren), Lewinsky verkauft das Gut weiter für 41.000 Reichstaler an:
  • 1843: Carl Friedrich August von Bandemer u. Ehefrau Henriette Friederike geb. Zülske (Ki.: Carl Friedrich Albert *1841). Er stirbt als Rentier im Alter von gut 73 Jahren am 15. Mai 1885 an einem Herzschlag in Sochow und hinterlässt neben der Witwe einen Sohn und sechs Enkel. Sohn Franz Bandemer wird der neue Rittergutsbesitzer, stirbt allerdings bereits 1890 im Alter von nur 52 Jahren an Darmverschlingung. Diesen Tod muss die Mutter und Witwe Henriette noch miterleben, bevor sie selbst ein Jahr später 1891 auf Monbiju im Alter von 81 Jahren an Altersschwäche stirbt.
  • (für 1748: war noch der Tod von Herr und Frau von Stojentin auf Sochow vermerkt)
  • 1893: Rittergutsbesitzer Louis Schimmelpfennig (1896 auch im Adressbuch von Stolp)
Das Gut Sochow mit Vorwerk Neu-Sochow im Norden und dem Nachbarort Poganitz
Das Gut Sochow mit Vorwerk Neu-Sochow im Norden und dem Nachbarort Poganitz

Schließlich übernimmt die Pommersche Ansiedlungsgesellschaft das Gut, 1906/07 schaffen sie 48 Siedlerstellen.

Die Gemeinde Sochow bestand aus 6 Ortsteilen:

  1. Buschkaten: Im Norden im reichlich bewaldeten Sochower Wald gelegen – auch Sochower Buschkaten Krug genannt (z. B.so in der Messtischkarte „Lupow“ eingezeichnet) oder Buschkatenhof.
  2. Sandkaten
  3. Siedlung an der Chausseestraße
  4. Siedlung an der Moorstraße
  5. Siedlung an der Vorwerkstraße
  6. Sochow, Dorf

In früheren Zeiten finden sich Bezeichnungen wie „Sochower Krug“, „Sochowsches Vorwerk“, „Poganitz – Sochower Antheil“; „Sochower Holz“ oder „Sochower Holzkaten“.

 

Zur Geschichte des Dorfes Sochow bis 1945

Bei dem Dorf Sochow handelte es sich, wie bereits beschrieben, um ein Zeilendorf, entstanden durch die geographischen Gegebenheiten. Zunächst entwickelte es sich als Gutsdorf und unterlag den Entwicklungen und dem Werden des Ritterguts.

Außer den Namen und Besitzungen aus der Hufenklassifikation von 1717 sind weitere Familien durch die Kirchenbücher der Evangelischen Kirche Lupow ab 1743 zu finden. Zu den früh genannten Familien gehören: Arndt, Bjick, Bolduan (Freimann), Borck, Gohr, Grot, Klewer (Eigentümer), Kowalsky, Kreft (Hofmeister), Krichmuss (Tischler), Look, Misch (Kuhhirte), Noffz (über drei Jahrhunderte in Sochow), Perlick (1766 – 1911) Pett, Potratz (Arrendator), Schulz, Sonntag, Steinhardt, Töpper (Eigentümer, Separatisten), Zollweg.

Waren für 1717 als Besitzer Jürgen Grohek, Marten Sontag, Hanß Schwuchow, Peter Woyt und Michel Kiwatz genannt, so lassen sich eindeutig die Familie Sonntag sowie die Familie Woyth-Woith im Kirchenbuch weiter verfolgen. Ob aus Grohek später Grot, Groth wurde lässt sich nur vermuten, Kiwatz und Schwuchow kommen später in Sochow nicht mehr vor.

Neben den wenigen Eigentümerfamilien, werden einige Verwalter genannt. Dazu gehört für diese frühe Zeit Christian Arndt. Er war als Verwalter auf dem Gut tätig und mit Maria geb. Runcke verheiratet; den Verwalterposten hatte er von E. Tymmerek übernommen, der für 1743/1746 genannt wird. In den Jahren 1749-1765 bekam die Familie Arndt sieben Kinder in Sochow, von denen aber mindestens drei Kinder früh starben. 1786 wird ein Schoewe als Verwalter bzw. Christian Schoewe als Verwaltersohn genannt.

Weitere Berufe sind aus dem Kirchenbuch zu entnehmen. So war der 1713 geborenen David Potratz Arrendator, er starb 1791 in Sochow und bereits für 1789 wird der 1741 geborene Joachim Lebrecht Steinhardt als Arrendator aufgeführt. Er war mit Anna Sophia Potratz verheiratet. 1789 bekam die Ehefrau Zwillinge, aber bereits ein Jahr später verstarb der Ehemann. 1795 heiratet die Witwe ein 2. Mal: Martin Gottlieb Frankenstein.

Von den im 18. Jahrhundert in Sochow ansässigen Familien lassen sich nicht viele über Generationen in Sochow weiter verfolgen. Die Familie Noffz, auch Nofz, Noftz oder Nowcen genannt, erwies sich allerdings als besonders dauerhaft in Sochow. Bereits im 18. Jahrhundert stößt man im Kirchenbuch auf Michael und Martin Nowcen. 1782/85 bekommen ihre Ehefrauen Maria geb. Klemm (Martin) und Catharina geb. Rosin (Michael) in Sochow ihre Kinder. Carl und Jacob Nofz sind ebenfalls etwa zu dieser Zeit in Sochow sesshaft. Der Familienname setzt sich im 19. Jahrhundert fort und ist bis 1945 in Sochow verankert (z.B. Otto Noffz u. Ehefrau Dorothea geb. Burmeister).

Die oben bereits genannte Familie Potratz ist über Generationen in Sochow geblieben, als letzter lässt sich Erich Potratz nennen, der bis 1945 in Sochow wohnte.

Auch der FN Perlick lässt sich über den langen Zeitraum von 1766-1911 in Sochow verfolgen. Gerade die alteingesessenen Familien haben untereinander geheiratet, Potratz heiratet Gohr, Klewer heiratet Noffz, Töpper heiratet Noffz, usw. – das typische Heiratsverhalten ist an Sochow nicht vorbeigegangen.

Insgesamt gibt es aber viele Ortswechsel und so ist die Namensliste für Sochow ziemlich umfangreich; verschiedene Familiennamen tauchen wirklich nur sehr kurzfristig oder einmalig auf.

Da die Gegend sehr waldreich war, gab es die Försterei im Sochowschen Holz mit Holzwärtern wie Daniel Grot (um 1775) und Carl Synerius (1846); 1832 wird der herrschaftliche Jäger Gottlieb Gnath genannt. Daneben gab es viele Tischler: Dehn (1801-1878), Hoffmann (1830-mind. 1880), Krichmus (um 1828), Kuschel (2861), Marzke (1854-1880), Prang (1849), Range (1818-1856), Ruhtz (Tischler u. Schulze um 1857), Schmidt (um 1832), Troike (1888-mind.1921).

Daneben kamen es eine ganze Reihe von Stellmachern vor: Belk (um 1876), Halfpapp (um 1898), Henning (um 1872), Klix (um 1879/1900), Kreienbrink (1907-1944), Pleger (um 1888), Schmidt (um 1825), Steckmann (1810-1840), Töpper (um 1848).

Als weitere Berufe lassen sich finden: Schmiede, Schneider, Schäfer, Kuhhirte, Knecht, Mägde und Tagelöhner.

Ende 1867 gab es eine Volkszählung, 55 ortsansässige Bewohner wurden für Sochow gezählt. Vier Jahre später, am 01. Dezember 1871 werden 45 Bewohner gezählt. Die weitere Auswertung ergab:

01.12.1871:       45 ortsansässige Bewohner, davon:

                            - männl.: 21, weibl.: 24

                            - ortsgebürtig: 30

                            - 5 Familien

                            - Staatsangehörigkeit: preußisch

                            - 39 evangelisch, 6 sonstige Christen (vermutl. Separatisten)

                            - Altersstruktur: 14 (unter 10 Jahre); 29 (über 10 J., mit Lese- u. Schreibkenntnissen);

   2 Analphabeten

1905 sind lt. Volkszählung vom 01. Dezember 203 Bewohner gezählt worden. Davon sind 178 evangelisch, 180 deutsch, 25 polnischer Staatsangehörigkeit, 24 von ihnen gehören der katholischen Kirche an. 812,4 ha, Grundsteuerertrag lag bei 7,20; auf 6 Wohnplätze/Gemeindeteile verteilen sich 49 Wohneinheiten verschiedener Größenordnung.

Wie bereits geschildert, übernahm die Siedlungsgesellschaft das Gut. Die von ihnen geschaffenen sog. Rentengutsstellen lockten einige Siedler, auch Rentenbauern oder Rentengutbesitzer genannt, aus benachbarten Orten und Kreisen herbei. So wundert es nicht, dass die Zahl der Bewohner sprunghaft anstieg.

Beispielhaft sei hier die Familie Johann Jantz mit Ehefrau Johanne geb. Pflughaupt genannt. Diese Familie übersiedelte aus Rettkewitz, Kreis Lauenburg, wo sie in den Jahren 1883-1899 bereits sieben Kinder bekommen hatten.

Insgesamt wurden 48 Siedlerstellen geschaffen, davon lt. Pagel:

  • 6 mit 0,5 bis unter 5 ha
  • 27 mit 5 bis unter 15 ha
  • 15 über 15 ha

 

1939 gab es in Sochow 48 landwirtschaftliche Betreibe, davon lt. Pagel:

  • 3 mit 0,5 bis unter 5 ha
  • 2 mit 5 bis unter 10 ha
  • 37 mit 10 bis unter 20 ha
  • 6 mit bis unter 100 ha

Pagel beruft sich auf das letzte Güteradressbuch und führt als Bauernhofbesitzer dann auf:

  • Berta Barz (Verwalter Diplom-Landwirt Wilhelm Jacobs): 76 ha
  • Karl Brodel: 21,5 ha
  • Ewald Marzke: 20,5 ha
  • Willi Pinnow: 20.5 ha
  • Wolfgramm: 35 ha

„Den größten Viehbestand hatte Wilhelm Jacobs mit vier Pferden, 25 Stück Rindvieh, 5 Schafen und 30 Schweinen.“

Zur Auflistung gehört des Weiteren eine Molkerei (Jacobs), eine Eiersammelstelle (Stolper Eiergenossenschaft), eine Schmiede (H. Westpha), der Schuhmacher J. Jantz, außerdem die Ländliche Spar- und Darlehnskasse. Eine Brennerei ist bei der Aufzählung nicht dabei, als letzter Brennereiverwalter wurde Paul Albert Hermann Scheil genannt. Er war verheiratet mit Meta Clara geb. Domröse. Auch der Sochower Krug bzw. Gastwirte kommen nicht mehr vor. Vor 1858 war der Gastwirt Johann Höftmann verstorben, danach wurde Wilhelm Wittstock Gastwirt im Sochower Krug. 

 

Lt. Reichstelefonverzeichnis 44 (Lupow) von Januar 1942 gab es für Sochow 4 Einträge:

Nr. 18: Spar- u. Darlehnskasse eGmbH

Nr. 39: Landwirt Wilhelm Jacobs

Nr. 56: Amt Ramnitz, Kuske in Sochow

Nr. 66: Bürgermeister Westphal

Die Gemeindefläche betrug 768 ha. Am 17. Mai 1939 betrug die Wohnbevölkerung 332 bei 80 Haushaltungen. Für 1925 nennt Pagel 58 Wohnhäuser.

Schule, Alltag

Im 19. Jahrhundert war eine kleine Dorfschule im Nachbarort Poganitz in einem einfachen Wohnhaus untergebracht. Die Schüler aus Sochow besuchten diese Schule ebenfalls. 1797 starb im Alter von 85 Jahren in Sochow der Schulmeister Michael Tohpel. 1807 ist der Tod des Schulhalters Johann Neumann verzeichnet, er starb im Alter von 66 Jahren in Sochow. 1835 wird Ludwig Magull als Schullehrer, wohnhaft im Sochower Antheil von Poganitz, genannt.

Der Schulraum wurde immer enger, ab 1874 kam Lehrer Friedrich Haack in den Schuldienst und 1878 konnte ein neues Objekt als Schulgebäude gefunden werden. Es handelte sich um das bisherige Chausseehaus, nahe am Ort gelegen. Es hatte bis dahin zur Einnahme von Straßenzoll für die Chausseebenutzung gedient. Nach dem Wegfall der Zollerhebung, kaufte der Rittergutsbesitzer Post das Chausseehaus und ließ es zu Schulzwecken umbauen. 1907 errichtete die Gemeinde Sochow, nach der Aufsiedelung des dortigen Guts, eine eigene Schule. 1932 unterrichtete ein Lehrer in der einstufigen Volksschule 48 Kinder. Die Lehrer haben häufig gewechselt: „Glasenapp, Kurt Lindner, Hugo French und Walter Granzin“ nennt Pagel für die kurze Zeit des Bestehens der Schule. Kurt Lindner war 1945 der letzte Lehrer in Sochow, Walter Granzin war 1944 im Krieg gefallen. Zur Schule gehörte auch ein Schulacker und ein nahe gelegener Sportplatz.

Aber nicht nur im schulischen Bereich spiegelt sich die nachbarschaftliche Nähe zwischen Sochow und Poganitz wider, vielfältige Beziehungen und Verflechtungen sowohl den Gutsbesitz als auch das Alltagsleben betreffend, zeichnet die Geschichte der beiden Orte aus.

So nahm die große Poganitzer Wassermühle an der Lupow für beide Orte wichtige Rolle ein. Mit der Wassermühle war ein Elektrizitätswerk verbunden, welches beide mit Strom versorgte. Nahe der Wassermühle überquerte die Lauenburger Chaussee die Lupow, Pagel spricht vom „bedeutendsten Lupowübergang“. Verkehrstechnisch äußerst günstig gelegen, zog die Mühle viele Bauern und Landwirte aus der Umgebung an, die sich hier mit Mehl- und Futtervorräten eindeckten. Zudem wies die Wassermühle eine eigene Gaststube aus. 1931 wird Holtz als Gastwirt genannt. Ab März 1945 übernahmen die Sowjets die Wassermühle, die Brennerei und das Elektrizitätswerk und behielten die Regentschaft auch, nachdem die polnische Verwaltung am 1. September 1945 eingerichtet worden war.

In den Unterlagen des Ev. Kirchenbuchs Lupow findet sich als Ortsbezeichnung häufig „Poganitz – Sochowscher Antheil“. Besonders bei den Postillion-Familien kommt dieser Vermerk gehäuft vor. Oder die Familien wohnten einige Jahre in Sochow und einige Jahre in Poganitz. Genannt seien hier die Familien Klank, Birr und Günther.  Auch bei den Patenverbindungen sind die beiden Orte über den Beruf des Postillon zu finden, ein Beispiel stellvertretend: Postillion Franz Panzer, der zweite Sohn des Bauern George Panzer aus Langeböse, wohnhaft 1837 Poganitz, genannt als Pate bei der Taufe des Kindes Franz Wilhelm Klank (Eltern: Postillion Martin Klank und Ehefrau Wilhelmine geb. Bunz). An dieser Stelle sei deshalb für den Leser und Familienforscher der Hinweis angebracht, ebenfalls die Ortsbeschreibung Poganitz zu lesen.

In dem Kösliner Amtsblatt von 1854 sind die Stationen der „16. Personen-Post von Danzig nach Stettin“ vermerkt. Eine der vielen Haltestellen befand sich vor dem Chausseehaus in Poganitz (ab 1878 Schule, s.o.). Nächster Halt auf der Strecke zwischen Stolp und Lauenburg waren Darsin (vor dem Kruge) bzw. Mahnwitz (vor dem Kruge). So hatte Sochow zwar keine eigene Haltestation, lag aber auf dem Weg des Postweges und bot durch die Haltestelle in Poganitz Arbeitsplätze, die zwar hart aber durchaus angesehen waren.

Über das Postkutschenwesen einige Schilderungen, z.B. über die Ankunft der Postkutschen:

„Da blies der Postillon noch in sein Horn und zig von Lande zu Lande. Weit erschallte seine Weise über Berg und Tal und über grünende Flur ... und wenn der Postillon schon von weitem hörbar oder sichtbar war, dann erwachte allenthalben, fast wie elektrifiziert, in jedem Menschen ein Sehnsüchtiges und befriedigendes Erwarten für den nahenden Verkehrsvermittler. Die Postkutsche heimelte eben jeden an; sie war eine zuverlässige, planmäßig wandernde Uhrzeitangabe für die abseits von den Häusergruppen auf den Feldern arbeitenden Dorf- und Stadtbewohner.“

(Quelle: Friedrich W. Braßhoff, Rügenwalder Postwege vor 100 Jahren, gefunden in: http://digibib.studienstelleog.de/Post/RuegenwalderPostwege.html)

Sochow verfügte über eine eigene Poststelle. Wann diese eingerichtete worden ist, konnte bisher nicht herausgefunden werden. Die Post musste jedenfalls zu Zeiten der Posthalterei bis eine Stunde vor planmäßiger Abgangszeit der Posten abgegeben sein. Sie bestand neben dem Postkutschenwesen auch aus Reiterpost. Im 18. Jahrhundert zählte man in Deutschland circa 436 Hauptlinien der „Preuß. Schnell-, Reit und Fahrpost“, diesen waren zahlreiche inländische Nebenpostlinien angegliedert. Von Rügenwalde kostete z.B. eine Fahrt nach Köslin 23 Silbergroschen 9 Pfennige.

So nahm die Poststraße mit ihren Stationen verschiedene Funktionen wahr und gerade für die kleinen Orte in Hinterpommern wie Sochow war sicherlich der Personentransport nachrangig. Aber man war eingespannt in verschiedene Arbeiten, die mit dem Postwesen einhergingen. So wurden z. B. die Pferde gewechselt oder mussten versorgt werden.

Folgende Postillionfamilien sind für Sochow zu nennen:

1778: Christian HELDT u. Ehefrau Christina geb. GROT

1833: Johann Jacob GÜNTHER u. Ehefrau Wilhelmine geb. SELB

1833: Martin Anton KLANK u. Ehefrau Justine Wilhelmine geb. BUNZ

Kirche

Der größte Anteil der Gläubigen in Sochow war evangelisch und gehörte zur Ev. Kirche in Lupow. 1913 hatte Sochow eine kleine eigene Kapelle, die aber ebenfalls dem Kirchspiel Lupow unterstand. Außerdem gab es einen kleinen Friedhof in der Nähe der Kirche.

Otto Kuske beschrieb das Schicksal dieser Kapelle nach der Besetzung durch die Russen 1945 folgendermaßen (lt. Pagel, S. 917):

„Das Innere der Kirche war verwüstet und beschmutzt. Wo Altar und Kanzel gestanden hatten, lag Pferdedung. An vielen Stellen waren Soldaten und Zivilisten beerdig worden: bei der Kirche am Denkmal Flüchtlinge, bei Johann Tabert etwa zehn bis fünfzehn deutsche Soldaten, bei Schmidtke im Garten einige Flüchtlinge, bei Kuske in der Koppel eine Frau und die Frau eines ostpreußischen Flüchtlings hinter der Scheune. Die Beerdigung der vielen verstorbenen alten Menschen war oft sehr schwierig. In Bretterkästen oder auch nur in Decken gehüllt wurden sie auf Handwagen oder Karren zur Grabstätte gebracht.“

Kleine Kirche in Sochow <br />Foto E. Wetzel (2014)
Kleine Kirche in Sochow
Foto E. Wetzel (2014)

Einige der Familien in Sochow gehörten der separatistischen Glaubensgemeinschaft an. Sie gehörten zu der nur wenige km entfernten Separatistengemeinde in Darsin. Für die Zeit von 1844-1892 existieren eigene Kirchenbucheinträge. Dazu gehörten: Beierle, Klewer, Noffke, Prang, Radde, Tepper- Töpper, Treder, Virkow.