Zur Geschichte von Klein Strellin bis 1945

Die Landgemeinde, in der fruchtbaren Ebene nordwestlich von Stolp gelegen, war ein Bauerndorf. In die Ebene schnitt das Tal des Ziegenborn, der zur Stolpe abfloss und in den einige Talgründe einschnitten: der Schwalben-Schwanz-Grund, der Kater-Grund und der schiefe Grund. Östlich des Dorfes führte die Stolpmünder Chaussee (Reichststrasse 125) vorbei nach Stolpmünde.

 

Durch Kauf ging Klein Strellin 1366 von Heinrich von Puttkamer auf die Stadt Stolp über. Größe und Anzahl der Bauernstellen haben sich bis nach Beginn des 19. Jahrhunderts kaum geändert. Die Protokolle der Stadt aus dem Jahre 1717 enthalten die Eintragungen:

 

Bauern á 1 Lehen:

1. Martin Salomon 5. Jochim Wetzel
2. Hans Salomon 6. Michel Böttcher
3. Michael Kalff 7. Marten Kalff
4. Marten Mickle(y) Cossäth Michel Nuthack

 

Die Fürsorge der Stadt für ihre Eigentumsdörfer ist unverkennbar. Neben oft notwendiger Rüge des Rates nachlässigen Pachtbauern gegenüber, begegnen wir andererseits auch großer Nachsicht bei unverschuldetem Unglück. Um 1784 hatte Klein Strellin nach Brüggemann sieben Bauern, die keine Naturaldienste leisteten, sondern Dienstgeld gaben. Einen Kossäten, einen Büdner, einen Schulmeister, einen Holzwärter, eine zu den Dörfern Klein Strellin und Arnshagen gehörige Wassermühle, die sogenannte Samelower Mühle, die der Müller auf Erbzins besaß, insgesamt dreizehn Feuerstellen.

Die Samelower Mühle hat in der Vergangenheit mehrere Namen getragen. Im Kirchenbuch Arnshagen wird sie wie folgt bezeichnet:

 

1640 Semlower Mühle
1680 Semmelower Mühle
1681 Semlower Mühle
1714 Semerower Mühle
1764 Samerower Mühle
1765 Semmerower Mühle

1771

Samerower Mühle
bleibt bis Ende Kirchenbuchaufzeichnungen
(1849 letzter Eintrag zu Samerower Mühle)

 

Im Gemeindeverzeichnis Pommern 1905 wird der Wohnplatz nun Samelower Mühle genannt.
Mit diesem Namen finden wir die Mühle auch auf dem Messtischblatt 1467 - Stolpmünde.

Klein Strellin (um 1820)

1. George Salomon
2. Jacob Schulz
3. Erbpächter Freywaldt (Andreas)
4. Schulz Martin Kalf
5. Kossäth Lemm (Jacob)
6. Christian Brügmann
7. Michael Kautz
8. Joachim Schulz
9. Friedrich Salomon
10. Chr. Michel Brügmann

 

Im Zuge der Bauernbefreiung wurden durch Rezeß vom 9. Juli 1823 die Acker- und Wiesenländereien den sieben Kossäten überlassen. Im Jahre 1819 waren zuvor von dem Gutsforst, dem sogenannten „Überlauf“, 50 Morgen verkauft worden. Die seit 1850 geschaffenen Rentenbanken haben im Laufe des 19. Jahrhunderts die völlige Ablösung der Reallasten und die Auflösung des Verhältnisses zwischen der Stadt und dem ehemaligen Kämmereigut vermittelt. So wurde aus dem städtischen Eigentumsdorf ein Bauerndorf. Im Jahre 1939 hatte es 32 landwirtschaftliche Betriebe, die sich wie folgt zusammensetzten:


11 mit 0,5 bis unter 5 ha
4 mit 5 bis unter 10 ha
8 mit 10 bis unter 20 ha
9 mit 20 bis unter 100 ha

 

Im letzten Güteradressbuch werden als Bauernhofbesitzer genannt:

 

Nr. 8 Friedrich Albrecht 24 ha
Nr. 30 Ernst Kath 26 ha
Nr. 7 Herbert Möws 25 ha
Nr. 3 Werner Plath 31 ha
Nr. 18 Willi Salomon 50 ha
Nr. 12 Hedwig Zessin 32 ha

 

Der durchschnittliche Grundsteuerreinertrag auf ein Hektar lag mit 8,29 RM erheblich über dem Kreisdurchschnitt (5,95 RM). Das idyllische „Charlottental“ und das Dorf waren ein beliebtes Ausflugsziel der Stolper Bürger. Die Gastwirtschaft betrieb 1931 Emil Körlin.

 

Die Samelower Mühle ging 1337 durch Kauf von Jesco von Rügenwalde auf die Stadt Stolp über. Sie vergab die Mühle in Erbpacht. Die Müllerfamilie Carsten hat sie mehrere Jahrhunderte hindurch besessen. Die auf der Mühle lastenden Spanndienste und Mehllieferungen an das Hospital zum Heiligen Geist löste der Mühlenmeister Panten 1855 in Rentenbriefen für alle Zeiten ab.

Dorfplan vor 1945

1,2,3: Drei Einfamilienhäuser: Schuhmacher Papenfuß, Familie Behnke, Familie Barz. Reihenfolge nicht sicher.

3A: Fritz Schulz. Schlachtermeister. Erbaut 1936.

4: Rentner Papenfuß. Das Haus existiert nicht mehr.

5: Doppelhaus: Familie Neitzel, Familie Witt.

6: Bauer Herbert Möws.

7: Bauer Friedrich Albrecht. Teilweise zerstört.

8: Bauer Hitz.

9: Frau Kautz. Näheres nicht bekannt. Heute Ruine.

10: Bauer Willi Salomon. "Großbauer" genannt, besaß mit 50 ha den größten Hof im Dorf und als erster und einziger Bauer einen Traktor.

11: Gehörte möglicherweise zu 12. Vermutlich kleines Wohnhaus.

12: Bäuerin Frau Hedwig Zessin.

13: Familie Seils.

14: Gastwirtschaft Emil Körlin.

15: Emil Groth, Tischlermeister.

16: Bauer Hermann Albrecht.

17 und 18: Bauer Salomon (?) und Bürgermeister Salomon.

18a: Familie Last.

19: Das Schulgebäude.

20: Familie Ehmke.

21: Doppelhaus: Familie Ehlert - Familie Schumann.

22: Die Schmiede mit Wohnung.

23: Bauer Plath. Scheune zerstört.

24: Kleinbauer Hermann Möws. An der Stelle des ehemaligen Gehöftes steht ein Neubau.

25: Großer Dorfteich (maßstäblich zu klein geraten).

26: Kleiner (oberer) Dorfteich.

27: Die Straße führt am Bahnhof vorbei nach Groß Strellin.

28: Straße nach Überlauf.

29: Weg zur Mühle/Charlottental.

Kirche

Klein Strellin war in der Kirche von Arnshagen eingepfarrt und gehörte somit gemeinsam mit Arnshagen, Groß Strellin, Hohenstein und Überlauf zum Kirchspiel Arnshagen. Alle Einwohner von Klein Strellin waren evangelisch.

 

Als Kirchspiel gehörte Arnshagen zum Kirchenkreis Stolp-Stadt.

Von der Kirche Arnshagen sind mehrere Kirchenbücher erhalten geblieben.

Standesamt

Klein Strellin hatte kein eigenes Standesamt, sondern gehörte zum Standesamtsbezirk Groß Strellin, welches für Flinkow sowie Klein und Groß Strellin zuständig war.


Vor 1945 war das Standesamt Groß Strellin wie folgt besetzt:
Standesbeamter: Bauer Wilhelm Salomon (Kl. Strellin), bestellt am 08.04.1911
1. Stellvertreter: Lehrer Guido Kohlhoff (Kl. Strellin), bestellt am 08.04.1911
2. Stellvertreter: Bauer Willy Salomon (Kl. Strellin), bestellt am 17.06.1936

Schule

1932 eingliedrige Schule:

1 Lehrer, 1 Klasse, 45 Schüler

Lehrer war bis 1945 Guido Kohlhoff

 

Folgende Lehrer sind uns namentlich bekannt (in der Reihenfolge ihrer Erwähnung):

 

  1. Christoph Nincke (1714-1780) Schulhalter
  2. Peter Salomon (1745-1805) Schulhalter, wird 1802 emeriert
  3. Martin Friedrich Mickley (1764-1831) Schneider und Schulhalter
  4. Michael Voelkner Lehrer, wird 1830 erwähnt
  5. Martin Ferdinand Radtke (1817-nach 1879) Lehrer, wird 1846 erwähnt
  6. Richard Pagel (1844-nach 1880) Lehrer, wird 1874 erwähnt
  7. Emil Kuschel (1864-nach 1898) Lehrer, wird 1896 erwähnt
  8. Guido Kohlhoff (1881-1946) Lehrer, wird 1909 erstmals erwähnt und bleibt bis 1945 Lehrer in Klein Strellin