Zur Geschichte von Lupow bis 1945

1. Der Zisterzienserorden, die Svenzonen, der pomerellsche Adel der Puttkamer und von Zitzewitz

Bei Lupow handelt es sich um ein altes Kirchdorf, dass sich bereits 1282 im Besitz des Klosters Kolbatz (Colbaz, Colbatz) befand.

Bei dem Kloster Kolbatz handelte es sich um eine Zisterzienserabteil in Pommern, deren Klosteranlage gut 20 km südöstlich von Stettin im gleichnamigen Dorf lag und von dem Kastellan Wartislaus II. gestiftet worden war. Die einzelnen Abteien waren grundsätzlich selbstständig, unterlagen aber einheitlichen Statuten des Ordens. Das Mutterkloster Citaux war 1098 gegründet worden. Es stand in der Tradition der Benediktiner, allerdings durch Reformen vielfach umgewandelt.

Wappen des Zisterzienserordens

 

Übernommen von: Von Mangouste35 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
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Es entwickelte sich zu einem wichtigen Kolonisationszentrum in Pommern. Das Gründungsjahr wird auf 1174 genannt, weitere sehr bekannte Tochterklöster waren in Pommern z. B. Oliva (1185-1831) und Marienwalde (1294-1539). Durch Schenkungen konnte der Einfluss bei der Christianisierung kontinuierlich erweitert werden. 64 Dörfer konnte das Kloster im Jahr 1323 sein Eigen nennen.

Um 1300 übernahmen die zum Pommerellischen Geschlecht gehörenden Swenzonen (Svenzonen) u.a. auch Lupow. Die Swenzonen gehen auf zwei hohe Verwaltungsbeamte namens Swenzo und dessen jüngerem Bruder Lorenz zurück und hatten über drei Generationen eine große Bedeutung für das Gebiet Stolp-Schlawe, das Ende aber war unrühmlich:

 

„Nach 1357 wird keiner von ihnen in einer Urkunde genannt, ohne daß es irgendeinen anderen Anhaltspunkt für dieses plötzliche Verschwinden gibt als nunmehrige völlige Bedeutungslosigkeit und ein Aussterben des Geschlechts mit den sozial abgesunkenen Vertretern der dritten Generation.“ (Morre, Baltische Studien ... Anmerkung 59/51 – Pagel)

Ein uralter pommerellischer Adel namens von Puttkamer bezieht sich auf die Svenzonen. In vielen Orten, auch in der Umgebung von Lupow, lassen sich Familienmitglieder als Lehnsherren von Gutshöfen finden. Genannt sei hier nur kurz: Martin von Puttkamer 1457 (Sochow), Hans Putkummer 1523 (Sochow), Peter von Putkummer 1523 (Pottangow), Marten Putkummer 1523 (Darsin).

Puttkamer, Puttkammer, Puttkumer – viele Formen sind zu finden, alle sollen auf „putcumer“ aus dem Slawischen zurückgehen und ursprünglich eine slawische Amtsbezeichnung für den Unterkämmerer gewesen sein. In den pommerschen Erbfolgestreitereien führten sie die Regierungsgeschäfte und regierten in Schlawe und Stolp. Der Ritter Peter Putcumer (auch Puthkamer) war herzoglicher Unterkämmerer. Das Stammwappen, der „Fischgreif“, bildet nicht nur das Familienwappen der Puttkamer, sondern kommt auch in verschiedenen Stadtwappen von hinterpommerschen Städten vor. Es war ursprünglich das Wappen der Swenzonen, der Wappenspruch lautete übersetzt: „Künstliches ist nicht von Dauer“. - Ewald von Puttkamer verkaufte Lupow mit Canitz an Joachim von Zitzewitz (auf Jugelow).  Ca. 180 Jahre verblieb Lupow im Besitz der Familie von Zitzewitz. 1590 gab es in Lupow 14 Bauern.

Für die Zeit des 30jährigen Krieges sind speziell für Lupow kaum Daten verfügbar, lediglich zum Schloss Canitz heißt es, dass die im Flusstal der Lupow gelegene Wasserburg im 30jährigen Krieg zerstört und  1683 durch den preußischen Generalkriegskommissar Joachim Ernst von Grumbkow ebendort wieder aufgebaut wurde.

Im Westphälischen Friedensschluss von 1648 kam Hinterpommern zu Brandenburg-Preußen. Aber erst fünf Jahre später zogen die schwedischen Truppen tatsächlich ab. Von 1655 wurden Bestandsaufnahmen durch die Grundherren durchgeführt. Deren Berichte dienten lediglich dem Zweck, steuerbare Hufen anzugeben und nicht, um das Leid und das durchgemachte Elend der Landleute abzubilden. Die alten pommerschen Hufenmatrikel von 1628 stellten keine realistische Grundlage mehr dar, so mussten die Steuerverhältnisse erst neu geordnet werden. Es gab verschiedene Anläufe, die Verhältnisse auf realistischere Grundlagen zu stellen (z.B. 1684 im „Lustrationsmatrikel“, veranlasst durch den Großen Kurfürsten als neuen Pommerschen Landesherr).

2. Die Ära der von Grumbkow auf Lupow

Am 08. Februar 1683 hatte der Generalkommissar Joachim Ernst von Grumbkow (1837-1690) das Dorf Lupow von Ernst F. von Zitzewitz für 100000 Reichstaler erworben und mit den schon im Besitz derer von Grumbkow befindlichen Lehen Groß Runow, Zechlin, Grumbbkow und Rexin zu dem sog. „Lupower Komplex“ zusammengeführt. Bei einem Lehen handelte es sich um ein weltliches Gut. Es konnte sich dabei um Ländereien, Rechte, politische Ämter u.a. handeln. Der Lehnsherr (Eigentümer) übergab es in den (zumeist) erblichen Besitz eines Lehnsmannes, Eigentümer blieb der Lehnsherr, Besitzer wurde der Lehnsmann. Direkter Nutznießer wurde der Besitzer, gleichzeitig ging die Verwaltung und Pflege des Lehngutes an ihn. Für dieses Nutzungsrecht erwartete der Lehnsherr Unterstützung bei politischen oder z. B. militärischen Aktionen. Mit dem Lehnseid schworen sich beide die gegenseitige Treue.

1664 fügte er den ererbten und bereits erworbenen Besitzungen noch das ehemals Puttkammersche Lehen Darsin und Pottangow sowie 1687 einen Teil von Alt Jugelow hinzu. Es handelt sich hier nur um einen Ausschnitt des gesamten Besitzes, zum gesamten Komplex gehörten weitere Lehen bzw. Teile wie der Krug und 2 Bauern von Langeböse, Poganitz, usw. Und selbst im Jahre seines Ablebens 1690 - im Alter von 52 Jahren - erwarb er noch das Lehen Klein Gluschen.

Unter seiner Regentschaft erhielt Lupow (1689) vom Kurfürsten Friedrich III. die Rechte einer Mediatstadt (Stadtrechte). Mediat bedeutet mittelbar im Gegensatz zu immediat (unmittelbar) und führte zu mehr Unabhängigkeit und Eigenständigkeit für die Städte. In der Folge ließen sich z.B. Handwerker nieder, Zünfte konnten eingerichtet u. Werkstätten eröffnet werden.

Joachim Ernst von Grumbkow war zweimal verheiratet. Seine 1. Ehefrau (oo25.02.1672) Lucia Dorothea von Wreech starb 1673 unmittelbar nach der Geburt der Zwillinge Anna Louisa (1673-1686) und Otto Christian (1673-1704). Am 08.01.1678 heiratete er im Berliner Schloss: Gertrud Sophie von Grote. Mit ihr bekam er folgende Kinder: Friedrich Wilhelm (1678-1739), Friedrich Ludwig (1683-1745) Philipp Otto (1684-1752), Karl Ernst (+1703).

Nach seinem Tod am 20.09.1690 kam es 1693 (dem Todesjahr seiner Ehefrau Gertrude Sophie geb. von Grote) zu einem Teilungsvergleich zwischen den hinterbliebenen Söhnen. Nachdem die ersten Erben ebenfalls verstarben, wie z.B. Karl Ernst 1703, Friedrich Wilhelm 1739 kam es zu Übertragungen an weitere Geschwister und in der Folge zu weiteren Teilungsvergleichen bzw. mangels männlicher Erben letztlich nach gerichtlicher Auseinandersetzung auch an die einzige hinterbliebene Tochter (Friederike von Grumbkow, s. weiter unten).

1714 gab es einen erneuten Anlauf des Generalmajor Peter v. Blankensee-Wulkow und eine Classificationscommission nahm die Arbeit auf. Es entstanden Besitzer- und Bauernlisten in den Jahren 1717 und 1732, sodass für die ländliche Zeit vor 1800 gute Daten erarbeitet wurden und heute noch vorliegen. Für die sog. „Amtsdörfer“, die unter königlicher Verwaltung standen, gab es die „Praestationstabellen“, die im Jahr 1732 beginnen und im Rhythmus von sieben Jahren neu aufgestellt wurden. Neben diesen Amtsdörfern oder auch „königliche Dörfer“ genannt, gab es die „Herrendörfern“, zu denen auch Lupow gehörte.

Die aufgestellte Hufen-Klassifikation für dieses adlige Gut benennt für 1717 folgende Besitzer: 

Gutsbesitzer:  Geheimer Kriegs Rath und Vice Kommissariats Direktor Philipp Otto von Grumbkow

Bauern: à ½ Lh.: 

  1. Jürgen Nofsce
  2. Michel Pett
  3. Jürgen Plontzke
  4. Pagel Gohr
  5. Jacob Pett
  6. Hanß Wulff
  7. Christoph Knop (Krüger)
  8. Ephraim Garbe
  9. Nocolas Schultz
  10. Clemens Gesticke

Cossäthen: 

  1. Paul Döring
  2. Jürgen Hufe
  3. Hanß Orth
  4. Marten Prutz
  5. Paul Reddel
  6. Michael Silvester (Küster)

Aus der Auflistung geht hervor, dass sich Lupow zu diesem Zeitpunkt immer noch im Besitz der Familie von Grumbkow befand. Philipp Otto von Grumbkow (*12.05.1684 in Gr. Runow) war bereits seit 1713 Regierungsrat bei der Pommerschen Regierung in Stargard, 1721 wurde er Kanzler von Hinterpommern und in Stettin Oberpräsident aller Provinzialbehörden der Provinz Pommern. Auch Titel und Orden bekam er verliehen: Geheimer Etatrat (1730), Orden vom Schwarzen Adler (1739). 1747-1750 trat er aus Altersgründen von allen Ämtern zurück und starb am 26.08.1752 auf seinem Gut in Lupow, als Erbherr auf den hinterpommerschen Gütern neben Lupow: Groß Runow, Zechlin, Darsow und Varzmin. Philipp Otto war dreimal verheiratet:

  1. Ehefrau (oo 1716): Ernestine Lucie Freiherrin von Danckelmann (1692-1719).
  2. Ehefrau: Henrietta Scholastika von Schlabrendorff
  3. Ehefrau: Witwe Anna Auguste von Kochanski, geb. von Münchow

Aus den beiden ersten Ehen gingen jeweils zwei Kinder hervor:

  1. Charlotta Philippina *23.12.1717; +09.09.1741
  2. Ernestina Carolina Friederica *23.12.1718; +02.03.1799
  3. Philipp Wilhelm *23.06.1711; +21.09.1778
  4. Marie Henriette *23.06.1711; +25.03.1762.

Nach dem Tod des letzten Grumbkowschen Besitzers, des Generalmajor Philipp Wilhelm von Grumbkow in Lupow, erbt die einzige Tochter Friederike (seit 1778 bereits Witwe des preußischen Leutnants Carl Alexander von Podewils) die zahlreichen Güter des Vaters im Stolper Kreis laut Rechtsspruch vom 29.12.1779. Mit diesem Rechtsspruch war der Kurator des Leutnants Friedrich Wilhelm von Grumbkow mit seinem Anspruchsforderungen abgewiesen worden.

1784 erschien die „Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes...“ für Vor- und Hinterpommern von Ludwig Wilhelm Brüggemann. Den Zustand von Lupow beschreibt er darin für folgendermaßen (S. 980ff):

1 Vorwerk
1 Korn- u. 1 Schneidemühle
1 Prediger, 1 Küster
7 Bauern
4 Coßäthen
1 Krug
1 Schmiede
1 Forsthaus
1 Posthaus
Philippshof - als neu angelegtes Vorwerk innerhalb der Gemarkung mit 4 Kossätenhöfe u. 2 Holzwärterwohnungen
48 Feuerstellen insgesamt

Außerdem beschreibt er Lupow weiter: „...fruchtbaren Acker, gute Weide, beträchtliche Holzungen von verschiedenen Arten, ergiebige Fischereien nebst dem Lachs- und Aalfange in der Lupow...“

Bevor Friederike von Podewils 1806 starb, hatte sie die Güter bereits 1800 an ihre beiden Töchter übergeben. Diese waren 1805 übereingekommen, dass alle Güter in den Besitz von Albertine Friederike Sophie von Podewils (*16.03.1773) übergehen sollten. Zu diesem Zeitpunkt war Albertine bereits mit Ernst Friedrich Otto von Bonin verheiratet und so gelangte der ehemals grumbkowsche Besitz schließlich an die Familie von Bonin.

 

3. Die Ära von Bonin auf Lupow

1794 hatte Albertine Friederike Sophie von Podewils (1773-1818) den Ernst Friedrich von Bonin geheiratet. Er war am 23.07.1761 in Obernhagen, Kreis Regenwalde als 2. Sohn des Erbherrn Friedrich Fürchtegott von Bonin (1725-1777) auf Elvershagen, Obernhagen, Niedernhagen, Karnitz u. Klein Raddow geboren. Seine Mutter Ernestine Luise Gans, Edle zu Putlitz (1733-1810) hatte Friedrich nach dem Tod seiner 1. Ehefrau Antoinette Friedericke Finck, Gräfin von Finkenstein (1734-1757) nach deren Tod geheiratet. Aus der ersten Ehe war der Sohn Otto Friedrich Fürchtegott v. Bonin hervorgegangen (*02.03.1756 in Elvershagen).

Über die Heirat und den frühen Tod mit Ehefrau Albertine v. Podewils gelangte der Lupowsche Besitz in die Nachfolge des Ehemannes Ernst Friedrich Otto v. Bonin. Sie wurde nur 45 Jahre alt und starb 1818 in Lupow; ihr Ehemann folgte ihr nach nur 4 Jahren 1822 plötzlich im Alter von 61 Jahren. 

In dem Sterbeeintrag des evangelischen Kirchenbuches heißt es (1822, Nr. 48):

„Am 27. October starb plötzlich Seine Excellenz der Kriegs-General-Lieutnant Ernst Friedrich von Bonin, ..., Gerichtsherr auf Lupow, Maltzkow, Sochow, Darsin, Zechlin, Ruhnow, Wangerske, Pottangow und eines Theils von Varzmin, er war am 23. Juli 1761 geboren, hat also sein Leben gebracht auf 61 Jahre 3 Monate u. 4 Tage. Er hat 40 Jahre im Militär gedient. Im Jahr 1790 wurde er mit seiner 1818 verstorbenen Gemahlin Albertine Friederike Sophie geb. v. Podewils vermählt, mit der er 28 Jahre in der Ehe gehabt hat. Aus dieser Ehe sind 6 Herren Söhne und 2 Fräulein Töchter erzeugt worden, aber nur 6 Söhne und 1 Tochter haben den Vater überlebt.“

Dann erfolgt die Aufzählung:
1.Eugen (1792-1866); 2.Eduard (1793-1865); 3.Otto (1795-1862); 4.Friedrich (1802-1877); 5.Julius (1805-1854); 6.Emma (1810-1856).

Einige Kinder waren bereits verstorben:
Karoline (1790-1798); Rudolf (1798-1821); Anselm (*u.+1800);

Nach dem Tod des Vaters 1822 gab es einen Erbauseinandersetzungsvertrag zwischen seinen Kindern.  1826/27 tritt Friedrich Wilhelm Bogislav v. Bonin das Erbe in Lupow, dessen Bruder Generalleutnant Otto Heinrich Ferdinand den Besitz in Darsin an.

Aus den Jahren zwischen 1822-1829 liegen Dokumente für Lupow vor aus denen die Umsetzung des Regulierungsedikts von 1811 hervorgeht.  Basierend auf den als Stein-Hardenbergschen Reformen zur Aufhebung gutsherrschaftlicher Untertänigkeit im Zuge der „Bauernbefreiung“ folgten verschiedene Umsetzungsrezesse. Grundlage bildete das Oberedikt vom 09.10.1807:

4. Hans-Jesko von Puttkammer

Schließlich übernimmt Hans Jesko von Puttkamers (aus dem Hause Bartin) den Guts- bzw. Fideikommißbesitz in Lupow. Ursprünglich hatte der sog. “Lupower Komplex” aus den Gütern Lupow, Malzkow, Sorkow, Groß Runow, Zechlin, Varzmin A, Darsin, Pottangow, Vangerske und Holzkavel Camienna (lt. Pagel) bestanden.  Hatte der gesamte Komplex gegen Ende des derer von Grumbkow auf Lupow noch 9812 ha umfasst, waren die beiden Güter Darsin und Pottangow inzwischen versiedelt. 1930 gab es noch 3500 ha zum Vererben. Außerdem hatte Hans-Jesko nach Übernahme des Majorats von seinem Großonkel Ernst von Bonin diverse Abgaben zu leisten und der Besitz schmolz weiter zusammen.

Hans-Jesko war am 03. Juni 1908 in Berlin geboren als drittes Kind des Königlich-Preußischen Leutnants und vormaligen Besitzer Reichenwalde Hans Adolf Wilhelm v. Puttkamer (1877-1915) und dessen Ehefrau Elisabeth Hedwig Julie geb. Strauß. Hans-Jesko hatte 5 Geschwister und war der Enkel von Carl Adolf Franz Rüdiger von Puttkamer auf Bartin (1842-1906) und dessen Ehefrau Elise Albertine Maria von Bonin (1850-1886). So kam also der Gutsbesitz derer von Bonin an die Familie derer von Puttkamer. Elise Albertine Maria von Puttkamer, geb. von Bonin war eine Schwester des Vorbesitzers und Majoratsherren Ernst Friedrich Fürchtegott von Bonin. Bei Carl Adolf v. Puttkamer handelte es sich um ihren zweiten Ehemann. In erster Ehe hatte sie am 26.09.1871 auf Schloss Canitz in Lupow Alphons Joseph Emerich von Domin-Petruschevecz geheiratet. Einen Monat später starb er am 20.10.187 an Hirnschlag. Elise heiratet am 08.07.1874 in Stolp ihren zweiten Ehemann v. Puttkamer.  Viel Leid war über die Familie gekommen, dazu gehörten plötzliche oder frühe Tode und auch Kinderlosigkeit.

1935 waren die Erb- und Besitzauseinandersetzungen noch nicht endgültig geklärt. Für das bereits weiter oben erwähnte Grundstück lautet die Eintragung von 1935 In der Zweiten Abteilung („Lasten und Einschränkungen“):

„Ein Widerspruch gegen die Eintragung des Eigentums des Hans Jesko von Puttkamer in Lupow zu Gunsten des Alloidalerben des vor ihm eingetragenen Rittergutsbesitzers von Bonin zu Lupow. Die Eintragung des Widerspruchs gründet sich darauf, daß nicht feststeht, ob das Grundstück schon jetzt zum Fideikommiß gehört. Eingetragen am 13. März 1935.“

Und für 1937 gibt es im Grundbuch von Lupow, Band 4, Blatt 65 den folgenden Eintrag:

Hans-Jesko v. Puttkamer: „Auf Grund der Bescheinigung des Auflösungsamtes Stettin vom 18. Juli 1931 als Fideikommissnachfolger eingetragen am 15. Mai 1937.“

1939 umfasste das Gut noch 1915 ha, davon (lt. Güteradressbuch):
- 670 ha Ackerland
- 30 ha Grünland 
- 12 ha Unland
- 1163 ha Wald
- 38 ha Umland und Wege
- 14 ha Wasserflächen

Wiesenberg, vormals Vangerske (zu Groß Runow) wurde an Achim von Zitzewitz verkauft.

Zum Gut gehörte außerdem folgender Viehbestand:
- 40 Pferde
- 135 Stück Rindvieh
- 600 Schafe
- 150 Schafe

Hans-Jesko von Puttkamer heiratete am 08.05.1940 in Darmstadt: Rosemarie Christiane Michel. 1942 wurde er Soldat und kam am Ende des Krieges in amerikanische Gefangenschaft. Danach nahm er seinen Wohnsitz in Schleswig-Holstein und wurde dort kaufmännisch tätig. Er starb 1966 in Freiburg.

5. Das Schloss Canitz und seine Geschichte

Bei dem Schloss Canitz handelt es sich um einen der ältesten Rittersitze. Canitz heißt “das Steinhaus” oder “das feste Haus”. Zunächst soll Canitz als Wasserburg im Flusstal der Lupow errichtet worden sein.

Im dreißigjährigen Krieg war der Rittersitz (wie bereits erwähnt), vollständig zerstört worden.

1683 errichtete der preußische Generalkriegskommissar Joachim Ernst von Grumbkow auf den alten Ruinen der Burg ein zweiteiliges Schloss, das den Namen Canitz beibehielt.

 

Das Schloss Canitz war L-förmig angelegt, das Haupthaus bestand aus sieben Achsen und war zweigeschossig. Es handelte sich hierbei um einen frühbarocken Bau, ausgezeichnet durch einen Gebäudeteil, der horizontal aus dem Baukörper hervorspringt – auch Risalit, aus dem italienischen für “Vorsprung”, genannt. Nach Südosten hin zweigte an der schmalen Seite der eingeschossige Südwestflügel ab. Canitz zeigte sich in beiden Gebäudeteilen mit einem Mittelrisalit, wobei die Vorsprünge zweigeschossig waren und mit einem dreieckigen Giebel abschlossen. An der Seitenfront erhob sich auch noch ein kleiner Turm darüber.

 

Hubertus Neuschäffer schreibt dazu in ‘Schlösser und Herrenhäuser in Hinterpommern’: “So hat man den Eindruck, daß hier zwei Herrenhäuser nebeneinander stehen, freilich in sehr schlichter Ausführung.” (S. 158)

Vor dem Hauptportal begrüßten zwei Pyramiden, die aus Kanonenkugeln gefertigt waren, die Ankommenden.

Philipp Otto von Grumbkow, der Sohn von Joachim Ernst, baute das Innere des Schlosses um. Pagel hat dazu folgendes Foto (S. 718):

 

Im ersten Weltkrieg kam es im Schloss Canitz zu einem Brand, dem wertvolle Geschichtsunterlagen zum Opfer fielen. Darüber berichtete die Lauenburger Zeitung von 1917, dass es auf Schloss Kanitz gebrannt habe, wertvolle Bilder und Mobiliar aber gerettet werden konnten:

"Lupow, 12. Febr. Hier brannte der einstöckige ältere Teil des Schlosses Kanitz, der Jahrhunderte alt ist. Es galt, die zum Majoratseigentum gehörenden alten wertvollen Bilder in Sicherheit zu bringen, unter vielen anderen eine Raphaelsche Madonna, das Bild Friedrichs des Grossen als 18-jähriger Jüngling, das einzige Bild aus dieser Lebenszeit des grossen Königs, viele Ahnenbilder. Auch die Möbel konnten alle gerettet werden. Leider ist auch viel Wertvolles verbrannt. Dieser alte Schlossteil ist von historischer Bedeutung. Ein von Grumbkow war unter dem Grossen Kurfürsten General-Kriegskommissarius. Die Kriegskanzlei ist damals längere Zeit hier gewesen. In der Franzosenzeit vor 100 Jahren hat Napoleon im Schlosse Kanitz einige Tage gewohnt. Es entging dadurch der Plünderung und Zerstörung. Ueber die Entstehungsursache des Brandes verlautet nichts Bestimmtes."

1945 wurde der Gutsbesitz von der Roten Armee übernommen, das Gemeinwesen Lupow ging 1946 zuerst in polnische Verwaltung über und später verließen die Sowjets auch das Gut. Der Staatliche Landwirtschaftsbetrieb Malczkowo bezog das Schlossgebäude. Allerdings wurde das ehemalige Gutsgebäude nicht weiter in der Grundsubstanz erhalten und gepflegt, sodas es in den 1970er stark baufällig und in den 1980er Jahren abgerissen wurde. Besucher entdeckten auf der ausgedehnten Ruinenfläche in den 1990er Jahren zwei halb zerstörte Kellergewölbe.

 

Bei einem Besuch 2010 konnte ein villenartiges Wohngebäude inmitten eines großzügig angelegten Parks an der Stelle des ehemaligen Schlossgeländes angetroffen werden.

 

6. Kirchengeschichte

Postkarte aus Lupow
Heimatstube

Die Kirche von Lupow gehörte neben den Kirchen von Stolp und Groß Garde zu den ältesten Kirchen in Hinterpommern. Sie soll etwa in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein, wobei die erste Gestalt nicht mehr bekannt ist, die Kirche war damals natürlich katholisch.

Im 16. Jahrhundert befanden sich neben den Deutschen auch Kaschuben unter den Anhängern der nach Pomerellen drängenden Reformation. So erschienen Andachtsbücher auch in kaschubischer Sprache. Im Zuge der Gegenreformation gegen Ende des Jahrhunderts veränderten sich die Verhältnisse derart, dass die weiteren Übersetzungen z. B. des Katechismus zunehmend unterblieben. 1778 wurde in verschiedenen Kirchenspielen des Kreises Stolp noch kaschubischer Gottesdienst abgehalten, so auch in Lupow. 1856 allerdings waren diese bereits eingestellt und bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde auch immer weniger kaschubisch von den Einwohnern gesprochen.

Das Kirchenspiel soll zwar ursprünglich sehr umfangreich gewesen sein, aber nicht mehr Orte umfasst haben als gegen Ende des evangelischen Kirchenspiels um 1945. Die Kirchenchronik, die Aufschluss über die Geschichte der Kirche geben könnte, ist durch einen Brand im Schloss Kanitz während des I. Weltkrieg vernichtet worden. So gibt es nur wenig Anhaltspunkte, auf denen sich eine Darstellung stützen kann. Das Kirchengebäude selbst soll bereits im 30jährigen Krieg einem Brand zum Opfer gefallen sein. Danach begann der Neubau mit nicht genau zu benennendem Datum. Etwa in den 60er Jahren des 17. Jahrhundert wurde er allerdings beendet. So verweist eine der erhalten gebliebenen Glocke auf die Jahreszahl 1669 und huldigt mit einer Inschrift dem Heiligen Geist: „Veni Sancte Spiritus“. Des weiteren wurde Lucia Dorothea von Wrechen als Stifterin am 10. Mai 1671 angegeben. Lucia war die erste Gemahlin des brandenburgischen Kammerrats Joachim Ernst von Grumbkow. Zwei Jahre später starb Lucia bei der Geburt von Zwillingen.

Die Entstehungszeit des Altars wird um 1680 angesetzt (s.: Pagel, S. 719). Die Apostel Johannes, Marcus, Lucas und Petrus zieren die Flügel des Altars. Der Altar war mit der in Barockform gehaltenen und von zwei Säulen flankierten Kanzel „zu einem stattlichen Bauwerk verbunden ... und war mit Figurenschmuck versehen.“ (Pagel).  Die Altarleuchten aus Zinn datierten aus dem Jahr 1609, wiesen auf einem Schild das Zitzewitzsche Wappen auf. Auf dem Fuß waren die Namen der Stifter eingeprägt:  Hecter Zitzewitz 1609 und Eva Ramel 1609.  

Für 1714 gibt es Hinweise von Ausbauten in Form der eingehauenen Jahreszahl in zwei Pfeilern, die zusammen mit zwei weiteren den Chor tragen - möglicherweise handelte es sich um den Einbau des Chors mit Orgel. Zwei weitere Glocken verweisen mit Aufschriften auf die Jahre 1720 und 1751 sowie u.a. auf den Namen des Glockengießers: Johann Gottfried Anthoni.

Zu dieser Zeit war der Preußische Generalfeldmarschall Friedrich Wilhelm von Grumbkow bereits Patron der Kirche von Lupow. 1739 starb er und sein Bruder Philipp Otto folgte ihm in diesem Amt. Eine Inschrift besagte, dass er 1750 den Altar, der mit reichhaltigen Schnitzereien versehen ist, gestiftet hat. Hinter der Wand an dem Altar hat es noch bis 1945 eine Inschrift gegeben, nach der unter seiner Patronatsschaft die Kirche neueren Baus geschaffen wurde:

„Die Kirche ist auf Kosten des Herrn General Philipp Wilhelm von Grumbkow als Patron unter Direction des Herrn Geheimen Rath Ritter Ernst von Bähn (=Boehn?) da Johann Ludwig Kummer Pastor war von den Mauer Meister Joh. Gottfried Oberreich Erbauet. Anna Christi MDCCL XXII.“ (H.P. Jach, Aus der Geschichte der Kirche zu Lupow, In: Ostpommersche Heimat 1931, Nr. 42, S. 3)

Nach dieser Gedenktafel erfolgte 1772 der Kirchenneubau und ist tatsächlich in dieser Form erhalten geblieben. Lediglich am Turm hat es bauliche Veränderungen gegeben.

Aus dem Jahr 1772 stammen ebenfalls viele Wappenbilder, diese findet man in den drei Seitenchören, die an der Nord- und an der Südseite der Kirche jeweils angebaut wurden und durch große Fenster mit dem Inneren der Kirche in Verbindung standen.

Bei den angebrachten Wappen fehlen die sonst üblichen Turnierhelme sowie die Helmdecken, die üblicherweise über den Wappen angebracht sind. Außerdem fehlen die Farben und manche Details weichen von den tatsächlichen Familienwappen ab. Abbildungen der Wappenbilder sind in der Ostpommerschen Zeitung 1935, Nr. 20, S. 2 abgedruckt (Zeichnungen von H. P. Jach):

 

Abb. 1

Abb. 1: Wappen derer von Grumbkow im ersten Kirchenchor. Allerdings zeigt sich in Abweichung des eigentlichen Familienwappens im zweiten und dritten Feld ein Orden (nach Brüggemann: „in einem sibernen, mit gold eingefassten und unten zugespitztem Schild einen blauen aufwärts fliegenden Pfeil“). Statt des Helms über dem Wappen sieht man am Fuß des Wappens Kriegserinnerungsstücke wie Kesselpauken, Feldschlagen, Fahnen, usw.

Abb. 2

Abb. 2: Wappen derer von Zitzewitz über dem zweiten südlichen Seitenchor: ein in der Länge geteilter Schild mit einem gekrönten halben schwarzen Adler auf silbernem Grund und links einem gekrönten Adler auf schwarzem Grund

Abb. 3

Abb. 3: links: Wappen derer von Boehn; rechts: derer von Lepel

Abbildung 3: es zeigt ein Doppelwappen, das über dem dritten südlichen Seitenchor zu finden war.

3a) Linkes Wappen derer von Boehn: „drei nach rechts laufende weiße Spürhunde mit goldenem Halsband; auf dem gekrönten Helm einen solchen halb sichtbaren springenden Hund.“

3b) Rechtes Wappen derer von Lepel: „Über dem auf silbernen Schilde schräg aufsteigenden roten Querbalken, ragt aus einem gekrönten Helm eine gekrönte Jungfrau mit fliegenden Haaren, aufgeschürzten Ärmeln und in der Seite gesetzten Armen. Auf ihrer Krone neun fächerförmig angeordnete silberne Löffel.“

 

Abb. 4

Recherchen konnten nicht zur Aufklärung dieses Wappens beitragen. Auch ein Blick in die Geschichte um 1772, als diese Wappen erstellte wurden, zeigt, dass es keine bekannte Familie mit diesem Wappen gab. Was kann also dahinter gesteckt haben? 1935 wurden in der Ostpommerschen Heimat zwei Ansichten dargestellt. Die erste lautet, dass es sich „um ein kombiniertes oder sog. Allianzwappen handelt: solche ‚kombinierten‘ Wappen waren im 18. Jahrhundert bei hochgestellten Persönlichkeiten oft gebräuchlich.“ Des zweite Ansicht weist darauf hin, „...daß es sich vielleicht um ein ausländisches Wappen handelt, da ja im 18. Jahrhundert einige wenige nicht bodenständige Geschlechter auch in Ostpommern saßen.“ Dieses geviertelte Wappen befand sich über der Sakristei.

„Im ersten und vierten Feld erscheint je ein abgewendeter gekrönter Vogelkopf (Adler?) auf verhältnismäßig langem Hals. Das zweite und dritte Feld zeigen drei durch einen kurzen Querbalken 2:1 getrennte sechseckige Sterne. An Stelle der sonst bei Wappendarstellungen gezeigten Helmzier ist über dem Wappen nur eine Krone und darüber der rechtshin gewendete gekrönte Vogelkopf wiedergegeben.“

Abb. 5

Abb. 5: Wappen derer von Kleist: Es war über dem zweiten nördlichen Seitenchor angebracht war und zeigt „rechtshin laufende von einem Querbalken getrennte Füchse ... Auf dem Helm drei Rosen, auf deren jede ein Knebelpick mit seiner Spitze gerichtet ist.“ Diese Knebelpicke erscheinen hier als Kreuze.

Abb. 6

Abb. 6: Wappen derer von Pirch, welches sich über dem dritten nördlichen Seitenchor befand. Es zeigt „in einem zugespitzten blauen, mit Gold eingefassten Schilde eine schräg aufwärts gestellte Karausche ... und auf dem gekrönten Helm (der in der vorliegenden Darstellung fehlt) einen Pfauenschwanz mit zwei kreuzweise darüber gelegten Schlüsseln.“

Die Beschreibungen basieren auf den Darstellungen des Ludwig Wilhelm Brüggemann aus dem Jahre 1779, auf die sich H. P. Jach in seinen Beschreibungen in der „Ostpommerschen Heimat“ beruft. Abschließend verweist Jach noch darauf, dass 1935 keines der aufgeführten Geschlechter mehr in Lupow ansässig gewesen ist. „Der Seitenchor, der das Wappen der früheren Kirchenpatrone, der Grumbkows, trägt, gehört bis auf die jetzige Zeit den jeweiligen Patronen der Kirche zu Lupow, den Majoratsherren auf Schloß Kanitz in Lupow.“

Pastor Kummer wirkte 57 Jahre als Seelsorger in diesem Kirchenspiel und hinterließ nach seinem Tod die ebenfalls in den Seitenchören untergebrachte Bibliothek. Hier befanden sich neben geistlichen Schriften, die z. T. aus der Lutherzeit stammten und aus anderen Kirchen übernommen waren, auch Geschichtswerke. Im Ganzen umfasste die Bücherei 990 Bände. Das älteste Werk hatte den Titel „Eigentlicher Bericht der Erfinder aller Ding“ und stammte aus dem Jahr 1499. Besonders wertvoll war auch der Geografische Atlas aus dem Jahr 1772 in lateinischer Schrift mit deutscher Übersetzung im Anhang.

Neben einigen Büchern aus dem 16. Jahrhundert waren 1931 als ältere Erinnerungsstücke der Kirche erhalten:

  • Die beiden oben erwähnten Altarleuchter aus Zinn von 1609 mit dem Zitzewitzschen Wappen am Schaft.
  • Ein holzgeschnitzter „Taufengel“, der über dem Taufbecken von der Decke hing. 1931 war er nicht mehr in Gebrauch.

Früher war die Kirche mit Holzschindeln gedeckt, 1873 wurden sie durch Schieferplatten ersetzt.

Drei Ehrentafeln beinhalten die in Kriegen gefallenen Angehörigen des Kirchenspiels Lupow. Die kleinere Gedenktafel nennt 28 Namen von Gefallenen in den Befreiungskriegen 1813-1815. Die beiden größeren Tafeln, die rechts und links an den Wänden neben dem Altar angebracht waren, weisen 150 Namen Gefallener des I. Weltkrieges auf.

Von den oben beschriebenen Kirchenglocken blieb lediglich die von 1669 erhalten, die anderen mussten während des 1. Weltkrieges abgeliefert werden. 1920 bekam die Kirche in Lupow neue Gussstahlglocken. Auch diese waren versehen mit den Namen der Stifter und weiteren Inschriften. Neben Stiftern aus Lupow (von Bonin) gab es auch aus den umliegenden Orten Stifter, so aus Grumbkow (von Livonius), aus Wendisch Karstnitz (Dr. Lehmann) und aus Schöneichen (von Zelewski). Rechts und links vom Altar befanden sich große viereckige handbemalte Kirchenfenster. Die Inschriften bringen uns den damaligen „Zeitgeist“ nahe:

  • „Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben“ (Inschrift am linken Fenster mit kreuztragendem Heiland)
  • „Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war“ (rechtes Fenster mit segnendem Heiland, darunter das Boninsche Wappen)

Des weiteren gab es verschiedene Widmungen:

  • „Gewidmet den im Weltkrieg gefallenen Helden des Kirchenspiels Lupow vom Patron der Kirche Ernst von Bonin – Lupow 1916“
  • „Gewidmet dem Andenken des Leutnants des Braunschw. Hus.-Rgts. 17 Walter von Rieck-Eggebrecht. Gestorben den Heldentod als Fliegeroffizier d. 2.2.1916“.

In beiden Fenstern sah man in der linken oberen Ecke ein schwarz-weiß-rotes Wappen. Ein Relief von in Form von Lorbeerblättern umrahmte das rechte Fenster.

Ansichtskarte Lupow
Heimatstube

Bekannte Pastoren und Seelsorger der Kirche Lupow:

1310:                  Pfarrer Marcus

1350:                  Pfarrer Rawslaff

1352:                  Pfarrer Pryddeborus

1415:                  Pfarrer Nicolaus Brughane u. Rutgerus Bosseler

1449:                  Pfarrer Johann Hogenkerke u. Hinricus Jantcze

Ohne Datum :     Pfarrer Clemens

Bis 1587:            Matthias de Corona als erster evangelischer Pastor

Ihm folgten nach:

1587-1634:        Thomas Holstenius aus Stolp

1634-1690:        Jakob Schwarz, Sohn des Pastors Jolua Schwartz aus Gr. Jannewitz

In der Zeit bis 1715 klafft eine Lücke in der Kirchengeschichte, der 30jährige Krieg hatte viele Chroniken und Aufzeichnungen zerstört.

1715:                  Andreas Gerner, vorher Pastor in Freist

                          Martin Gabriel folgt ab einem unbekannten Zeitpunkt

1731-1786:          Johann Ludwig Kummer, gestorben 1786

Pastor Kummer verheiratet sich 1732 mit der Tochter des vorgenannten Pastors Martin Gabriels namens Katharina Gabriel. Die Kirche in Lupow erhält zu seiner Zeit eine neue Gestalt, die im Wesentlichen bis 1945 so erhalten blieb.

1786-1787:        Georg Peter Ludwig Kummer, Sohn des Pastors S. Andr. Kummer aus Groß Garde

Georg war der Enkel des vorangegangenen Pastors Johann Ludwig Kummer in Lupow. Nachdem er seinen Großvater 1786 bereits unterstützt hatte, starb er nach nur einem Jahr im Amte mit 24 Jahren am 08. Oktober 1887 an Brustkrankheit und wurde im Predigergewölbe beigesetzt. Die Parentation (Trauerfeier) nahmen die Pastoren Herr Hacken von der Stolper Altstadt und Herr Fleischer aus Glowitz vor. Ihm folgte:

1787-1816:        Johann Georg Mattner aus Stolp

Mattner hatte in Frankfurt Theologie studiert und brachte eine sechsjährige Erfahrung aus seiner Tätigkeit im Königlichen Kadettenkorps von Stolp mit. Seine Tätigkeit in Lupow fiel in die sog. „Franzosenzeit“, so gehörte zu seiner Tätigkeit auch die Einsegnung der in den Kampf ziehenden Männer. Darunter befand sich auch sein Sohn, der im Kampf sein Leben verlor. „Unteroffizier August Theodor Mattner aus Lupow, ... fiel am 25.Februar 1814 in einem Feldpostengefecht zwischen Tourneh und Lille im 22. Jahr seines Lebens.“

1817-1837:        Heinrich Friedrich Kumme, Sohn des Pastors Kumme aus Gr. Dübsow. Um 1825 war er als Verhandlungspartner für die Pfarre bei den Auseinandersetzungs-Rezessen beteiligt. Da es auch um die Separation der Pfarrei-Grundstücke ging, sind die zugehörigen Besitzungen und deren Lage im Anhang benannt. Aufgelistet sind: Hofstelle, Garten, Wüsthen Wiese, ein Stück Grundacker u. Sandberg dahinter, mehrere Koppeln Mistacker.

1837-1839:         Eduard Seefisch

1840-1870:         Friedrich Karl Apitz. In den Rezessverhandlungen von 1859 ging es um die Verwandlung von Naturalabgaben in eine sog. „Roggenrente“ – zwischen Kirche und Rittergut. Auf Seiten der Kirche waren neben dem Prediger Apitz der Küster und Kantor Ploetz, der Kirchenvorsteher Rennhack sowie der Schulvorsteher Friedrich Heldt genannt. Sie verhandelten mit dem Rittergutsbesitzer Friedrich Wilhelm Bogislav von Bonin. An Stelle der bisherigen Naturalien wurde nun eine Geldrente gen. „Roggenrente“ eingeführt, die jeweils zum 1. Oktober fällig war. Deren Höhe orientierte sich am halbjährlichen Roggenpreis des Marktortes Stolp.

1844, 1859 wird als Kantor Carl Friedrich Wilhelm Plötz mit Ehefrau Emilie geb. Brey genannt. Sie waren Besitzer des Bauernhofes Nr, IV.

In der Zeit des Krieges 1870-1872 war die Lupower Pfarre tatsächlich, wie vielerorts, verwaist. Der Grund soll darin liegen, dass „auch der Nachwuchs der akademischen Berufe sich dem großen Kampf für Deutschlands Einigung zur Verfügung stellte und dadurch die Besetzung manchen Amtes erst nach dem Kriege erfolgen konnte.“ („Zur Geschichte der Kirche zu Lupow“, Ostpommersche Heimat 1936, Nr.1, S. 4)

1872-1889:        Ernst Heinrich Nitschke Am 26.07.1889 starb er an Herzschlag im Alter von 61 Jahren.

Ernst Nitschke hinterließ die Ehefrau Cäcilie geb. Küsell und neun Kinder.

1889-1896:        Johannes Gotthilf Carmesin aus Greifenhagen, Sohn des Predigers Carl Carmesin

Johannes Carmesin war 1842 in Woistenthin, Kr. Greifenhagen geboren und starb mit nur 54 Jahren am 30.08.1896 an Lungentuberkulose und Diabetes. Er war mit Caroline geb. Löhding verheiratet. In Lupow waren folgende Kinder des Paares geboren: Günther Joachim Eberhard Carmesin *23.03.1893; er starb aber bereits ein knappes Jahr später am 08.02.1894. Werner Gustav Rudolf Carmesin kam am 09.12.1895 in Lupow zur Welt.

1897-1930:        Karl Ernst Hoffmann

1931/33:            Pastor Harder (ungenau: für einige Zeit)

Ab 1934-1945:    Pastor Dr. Gerhard Gehlhoff (*14.09.1896 Berlin, +03.08.1954) u. Ehefrau Karin

1945:                  als Vertretung für Gehlhoff: Pastor Lutschewitz

1939 war Gehlhoff in einen Berliner Pfarrbezirk gewählt worden. So stand die Frage nach dem künftigen Wohnort des Paares auf der Tagesordnung. Die Ehefrau sollte entscheiden und sie sagt im Rückblick:

„Schon auf der Bahnfahrt von Stettin bis Stolp empfand ich die Landschaft als heimatlich, obwohl sie weiträumiger, eben östlicher ist. Ich bin ja auch an der Ostsee aufgewachsen, in Flensburg. Aber dann das Pfarrhaus, der Garten und der Park, das Dorf, die Kirche, die Art, wie man in einem hinterpommerschen Pfarrhaus lebte, wie die Kinder – die wilden Schlingel – aufwuchsen, das alles machte mir die Entscheidung für Lupow leicht und klar.“ (Lupower Heimatbrief 1957, Nr. 17).

Frau Gehlhoff wurde über 90 Jahre alt.

 

Postkarte Lupow
Heimatstube

Pastor Dr. Gehlhoff verstand sich selbst nach 1945 als „Vertriebenenseelsorger“: „Jetzt bin ich ‚Vertriebenenseelsorger‘, Landesflüchtlingspfarrer der Vertriebenen in der ganzen Westfälischen Kirche, habe natürlich alles verloren, aber meine Kinder behalten. Zu den sechs Söhnen ist jetzt endlich ein kleines Mädchen gekommen. Ich habe gleichzeitig die Leitung der kirchlichen Vereinigung der pommerschen Flüchtlinge und gebe auch die Pommersche Heimatkirche heraus.“ (aus einem Krieg 1952 von Gehlhoff an den pommerschen Schriftstelle von Sanden, zit. N. Pom. Zeitung 25.02.2006).

Viele seiner Rundbriefe, mit denen er die Mitglieder ehemaligen Kirchengemeinde Lupow versorgt hat, sind erhalten geblieben. Als er im Alter von nur 57 Jahren starb, übernahm seine Ehefrau die weihnachtlichen Grüße und Rundbriefe, sie führte sein Werk in vielen Beziehungen – allerdings ohne Vorstandsamt im Konvent -fort. Die Paketbetreuung für heimatverbliebene Deutschen übergab sie 1980 an Ingrid Saenger.

Pastor Dr. Gehlhoff
Aus Stolper Heimatblatt 09-1954, S. 25

Gerhard Gehlhoff war 1896 in Berlin geboren. Nach dem Abitur nahm er als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teil und wurde Offizier. Nach Kriegsende studierte er Musikwissenschaften und Philosophie. 1923 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Neben seinem Beruf als Musiklehrer an einem Berliner Gymnasium, begann er das Studium der Theologie. Sein erstes Pfarramt nach Beendigung des Studiums trat er 1929 in der Mark Brandenburg an. 1934 übernahm der das Pfarramt in Lupow. Zu Pommern hatte er bereits vorher ein besonderes Verhältnis, da seine Familie aus einem pommerschen Bauerngeschlecht stammt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er wieder Soldat und geriet bei Kriegsende in englische Gefangenschaft. Seine Familie flüchtete beim Einmarsch der Russen aus Lupow und kam in Blankenese bei seinen Schwiegereltern unter, wo er auch mit ihnen zusammentraf. 1946 zog die Familie nach Lippstadt, wo er als Direktor das Evangelische Mädchengymnasium aufbaute und betreute.

Am 05. Dezember 1939 zog das Ehepaar Gehlhoff mit dem vierjährigen Sohn Uli im Pfarrhaus Lupow ein. Es lag direkt an der Lupow, aber nicht weit entfernt von der Kirche und der Schule. Bereits um 1860 soll ein Vorläufer dieses Pfarrhauses an gleicher Stelle gestanden haben. Über das Leben in Lupow schrieb Gehhoff später: „Wir lebten in Lupow ... Unser Dorf lag an dem Flüßchen gleichen Namens, und der Fluß selbst – von den Leuten immer der „Strom“ genannt – begrenzte unseren Pfarrgarten. Ich schätze, es wird einer der größten Deutschlands gewesen sein, vierzehn Morgen groß. Im Garten selbst – es war ja eigentlich ein Stück Wald mit schönen alten Eichen, mittelstarken Buchen und herrlichen großen Fichten und Kiefern – lagen zwei Fischteiche, ein Stückchen Wiese und Acker, beides von unzähligen Haselnußbüschen begrenzt, dort wuchsen auch Pfifferlinge und Steinpilze an dem Berg, der ihn an der Landseite begrenzte ... In Lupow saß ich ab dem 1. Mai 1934 in einer Gemeinde mit zwölf Dörfern und mit über viertausend Seelen. Mir zur Seite standen zwei Gemeindeschwestern.“ (Brief Gehlhoff an v. Sanden v. 11.01.1952, zit. nach: Pom. Zeitung 25.02.2003)

Eine dieser beiden Schwestern nahm sich 1945 das Leben. Die andere, Schwester Marie Müller blieb nach dem Krieg in Lupow und unterstützte den Laienlektor Paul Manzek weiterhin. Sie um 1956 in Lupow (lt. Pom. Zeitung 29.04.2000).

Schwester Marie Müller
aus: Pommersche Zeitung 29.04.2000

Gehlhoff beschreibt immer wieder Bilder vom Leben in Lupow, die stetig vor seinem inneren Auge auftauchen : „Die Wiese am Strom mit der Birke darauf, die so oft abgehauen werden sollte, und die ich immer geschützt habe. Und ein anderes Bild von unserer Badestelle im ‚Pfarrpark‘, wo wir so oft fröhlich mit den Kindern gespielt haben.“  (Lupower Heimatbriefe 03-1946).

Das Kirchenspiel hatte 1940 lt. Pagel 4184 Gemeindemitglieder, davon gehörten 129 zur teilselbstständigen Kappellengemeinde von Sochow. Zehn eingepfarrte Ortschaften umfasste die Lupower Pfarrei. Dazu gehörten: Alt Jugelow, Darsin, Grumbkow, Malzkow, Neu Jugelow, Poganitz, Schöneichen, Sochow, Velskow und Wendisch Karstnitz mit Rambow. Der allein wahlberechtigte Patronatsherr berief nach alter Sitte in Lupow den Pastor – zum Schluss: von Puttkammer.

Neben der vorwiegend evangelischen Bevölkerung hat es lt. Pagel 1925 sechs katholische und drei jüdische Einwohner in Lupow gegeben. Nach 1933 wurden die jüdischen Familien Casper und Hauffe verfolgt. Franz Hauffe (*1880) war Vieh- und Pferdehändler und verheiratet mit Berta geb. Aust. Julius Casper musste das traditionsreiche Kaufhaus Casper schließen.

7. Geschichte des Dorfes Lupow bis 1945

Frühe Historie

Bei dem Dorf Lupow handelte es sich, der Siedlungsform nach, um ein kleines Gassendorf. Auf deutsch übersetzt heißt Lupow „lieblich“ und Canitz „Steinhaus“. Wie bereits dargestellt hat Lupow eine lange und wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Als ehemaliges sehr altes Kirchendorf hat es ebenso seine Prägung erfahren wie später durch die Geschichte seiner Adelsherren und als Rittersitz. Slawen, Kaschuben u. v. m. prägten den Ort. Und auch wenn viel Historisches in den Kriegen verloren gegangen ist, so sind dennoch vielfältigste Informationen erhalten und überliefert geblieben.

Lupow mit Schloß Canitz

So fand man 1887 in Lupow einen sehr großen und bedeutungsvollen Schatz – es wird von über 10.000 Münzen und Münzfragmenten hauptsächlich slawischer Nachprägungen westeuropäischer Münzen aus den Jahren um 1100 gesprochen.

 

Gefundene Hünengräber geben ein frühzeitliches Zeugnis aus der alten Siedlungsgeschichte Lupows. So fanden sich im Forst Lupow die Reste von 13 Großsteingräbern. Die größte Grabanlage maß 7 mal 8 m. Im Volksmund wurde diese Stelle „Hünenbrink“ genannt, südlich davon gibt es weitere Hügelgräber. In der Nähe dieser Gemarkung in der Nähe der Straße nach Damerkow liegen die Prachersteine.

Aus dem Jahr 1931 gibt es zu den Hünengräbern folgende zwei Skizzen, die in der „Ostpommerschen Heimat“ veröffentlicht wurden (Nr. 21, S. 5):

 

Folgt man einem stillen „höchstens von Holzfuhrwerken befahrenen“ Waldweg an dem rechten Ufer des Lupowflusses, so trifft man lt. der Beschreibung von H.P.J. auf diese Steine, deren Anordnung sofort auf Hünengräber hinweist. Diese Kulturdenkmäler wurden nicht immer geachtet oder geschätzt. Vielfach benutzte man sie um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. als Fundamentsteine für den Häuserbau. Der damalige Majoratsherr von Bonin verbot schließlich ausdrücklich die weitere Entwendung der Steine. Allerdings blieben von einigen Grabstellen nur einige größeren Stein liegen, „doch läßt sich durch kleinere, im Waldboden verwachsenen Steine fast bei jedem Grab die ursprüngliche Lage feststellen.“ Teilweise konnte er auch erkennen, dass in den Gräbern gegraben worden sein muss. Möglicherweise waren dort noch Urnen vorhanden gewesen, wie sie auf der anderen Seite des Lupowflusses vor dem I. Weltkrieg im Park des Schlosses Canitz gefunden wurden.

 

Vom 15.-18. Jahrhundert galt Lupow als wichtiger Verkehrsknotenpunkt auf der Strecke Stettin-Köslin-Stolp-Danzig.

 

1691 kam es, wie bereits beschreiben, zu einem besonderen Aufschwung in Lupow, als der Ort das Stadtrecht erhielt.

Die Hufen-Klassifikation für Lupow datiert vom 08. Juni 1717 zur Ermittlung der Steuer:

Neben dem Geheimen Kriegs Rath und Vice Kommissariats Direktor Philipp Otto von Grumbkow waren genannt:

10 Bauern: Jürgen Nofsce; Michel Pett; Jürgen Plontzke, Pagel Gohr, Jacob Pet, Hanß Wulff, Christoph Knop (Krüger), Ephraim Garbe, Nocolas Schultz, Clemens Gesticke

6 Kossäten: Paul Döring, Jürgen Hufe, Hanß Orth, Marten Prutz, Paul Reddel, Michael Silvester (Küster).

Eine Vielzahl von Dokumenten konnte trotz Kriegen, Bränden und Naturkatastrophen gerettet werden und Auskunft über die weitere Entwicklung der Besitzverhältnisse und des Lebens in Lupow geben. Dazu gehören die Ev. Kirchenbücher, die Rezesse, die Grundbücher, u.a.m. Einige der 1717 genannten Familiennamen lassen sich dadurch gut weiter verfolgen, z. B. die Familiennamen Noffz, Pett und Gohr, die später noch eingehender beschreiben werden.

Das Kirchenbuch von Lupow legt auch Zeugnis ab über besondere Ereignisse. So verstarben am 14. Oktober 1763 die Pulvermacher Paul und Andreas Deutler nach einer Explosion in der Pulvermühle (Ev. KB Lupow 1763, Nr. 26 u. Nr. 27): „so beide in der Pulvermühle beim Auffliegen des Pulvers verbrandten, und nach einem halben Tag verstarben“. Hintergrund bildete der Siebenjährigen Krieg (1756-1763), durch den es reichlich Aufträge für die Pulvermühle in Lupow gab und da für die Pulverherstellung mit Hochdruck gearbeitet wurde, kam es auch zu Unglücksfällen.

Ein weiteres Beispiel aus dem Kirchenbuch Lupow, 1766 verstarb: Benjamin Jurgo, ein abgedankter Soldat aus dänischen Diensten, den es krank aus fremden Kriegsdiensten nach Hause zog, um in seiner Heimat zu sterben.

Mitte des 18. Jahrhunderts gab es noch wesentlich mehr Wald in und um Lupow. Überhaupt war Ostpommern wohl zum größten Teil mit Wäldern bedeckt. Viele Siedlungsnamen zeugen davon. So gab es den Wohnort „Lupow`sches Holz“ und später finden sich Bezeichnungen wie „Hokzkathen“, Holzwärterei oder Forsthaus. Berufe, die sich um Wald- und Holzarbeiten drehten, lassen sich in Lupow durchgängig finden. So starb der Holzwärter Simon Martzke im Alter von 74 Jahren, wohnhaft Lupower Holz 1806. Weitere genannte Familiennamen dieses Wohnortes lassen sich im 18. Jh. finden, z. B. Burcke, Horn, Nowack, Pallas, Schulz, Witzke, Zilke, etc. Auch Jäger kommt als Beruf vor: So ein Jäger Rapsilber in Diensten des Herrn Oberpräsidenten.

Interessant ist die Nennung der Berufsbezeichnung Heydreuter/Heydreuther. Hierbei handelt es sich die alte Berufsbezeichnung für den Oberförster. Folgende finden sich im frühen 18. Jahrhundert in Lupow:

Heydreuter (Oberförster):

1757: Gottfried Kancke stirbt, Ehefrau Anna Catharina Bencke u. mehrere minor. Kinder (Christian

*1743; Johann *1748; Samuel *1750; Charlotte *1752; Susanna *1754; George *1756)

1766: George Friedrich Kramers u. Ehefrau Catharina Elisabeth geb. Wotke /Ki.: Barbara *1766;

Johann *1771; Carl *1773; Anna *1774; Henriette *1776). Der Vater u. Ehemann starb

bereits 1775.

Neben Forst, Holz- und Waldarbeitern verbreitete sich auch Berufe wie Tischler und Stellmacher; damals noch als Rademacher bezeichnet.

Tischler im 18. Jahrhundert:

1754 heiratet der Tischler Daniel Heinrich Wojatschke in Lupow: Dorothea Elisabeth Schulz. Sie bekamen mehrere Kinder in Lupow.

1773 heiratet der Tischler Gergen Heinrich Tepke in Lupow: Dorothea Maria Zollweg.

1745: Tischler Johann Friedrich Wapenhensch heiratet in Lupow: Maria Louise Garbeln.

1782: Tischler Fridrich Emanuel Wagners mit Ehefrau Anna Maria Süren genannt.

1817: Tischler Carl Bogislav Crohn stirbt im Alter von 63 Jahren in Lupow.

Um 1800: Tischler Wilhelm Vick genannt.

 

Rademacher/Stellmacher im 18. Jahrhundert:

1774: Rademachergeselle Johann Peter Pfeifer heiratet in Lupow: Dorothea Euphrosine Siegler.

1774: Rademacher Johann Christian Nipkos und Ehefrau Christliebe geb. Lemke werden Eltern eines Sohnes, der auf den Namen Johann Christian getauft wird. Dieser Sohn stirbt noch im selben Jahr.

Trotz des reichhaltigen Waldes bei Lupow, gab es auch Schafe und Schäfer. Die Schafzucht wurde zu damaliger Zeit von den Landgütern oft sehr groß betrieben. Allerdings lagen die Die Schäfereien häufig weit außerhalb der Dörfer bzw. in der Nähe der Weideplätze der Schafe. Oftmals gab es eigens gebildete kleine Schäfereien als Nebensiedlungen.

Schäfer in Lupow:

1744 ist Peter Wetzels im Kirchenbuch Lupow als Schäfer genannt. Seine Ehefrau war Christlieb Schöneggen.

Außerdem arbeitete Hans Hingst ebenfalls um die Zeit als Schäfer, er war verheiratet mit Catharina geb. Kehrings und starb 1757 in Lupow. Erst 1753 war Sohn Andreas geboren worden.

1758 heiratet der Schäfer Christian Bergan in Lupow: Witwe Catharina Hingst

1760: Schäfer Christian Dargatz und Ehefrau Barbara geb. Lietz bekommen eine Tochter; sie wird auf den Namen Dorothea Elisabeth getauft.

1763: Schäfer Nicol. Schmeckels (Schmöckel) und Ehefrau Christina geb. Hübner bekommen eine Tochter und lassen sie auf den Namen Eva Christina Taufen. Die Tochter stirbt noch im selben Jahr.

1763: Schäferknecht Christ. Gülzen und Ehefrau Dorothea geb. Pioch bekommen ebenfalls eine Tochter, sie wird Anna Maria genannt.

1765: Schäfer Martin Belck heiratet: Christina Mixen.

1765: Schäferin Eva Belcken, geb. Onaschen stirbt.

1774: Schäfer Jacob Kruggel wird Vater einet Tochter. Seine Ehefrau ist Mar. geb. Kruggeln. Die Tochter erhält den Namen Constantie Sophia.

1781: Schäfer Paul Baaren und Ehefrau Catharina, geb. Wrobels lassen ihre neugeborene Tochter auf den Namen Louise taufen.

In der Folge siedelten auch Weber in Lupow, um die Schafwolle zu verarbeiten. Genannt seien hier:

1770: Weber Johann Caspar Zerschwitz heiratet in Lupow: Witwe Catharina Elisabeth Köhlert, geb. Dentler (seit 1749 war sie mit Paul Köhlert verheiratet).

1775: Weber Fridrich Köhlert stirbt im Alter von 78 Jahren.

1783: Weber Abraham Wylke heiratet: Catharina Sophia Fischer.

Ende des 18. Jahrhunderts hat Ludwig Wilhelm Brüggemann in „Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinterpommern. 1784“ zu Lupow folgendes ausgeführt:

   „83. Lupow, ein ansehnliches Dorf mit einem Schloße Canitz genannt, 3 Meilen von Stolpe ostsüdostwärts, eben soweit von Lauenburg westsüdwestwärts und eben so weit von Bütow gegen Norden, an der Lupow, in einer anmutigen Gegend.“ (S. 980, Band 2, Ausgabe 2)

Außerdem weist er auf ein auf der Feldmark errichtetes neues Vorwerk, genannt Philippshof, hin mit 4 Kossötenhöfen und 2 Holzwärterwohnungen. Für Lupow selbst zählt Brüggemann auf:

  • 1 Vorwerk
  • 1 Korn- und Schneidemühle
  • 1 Prediger, 1 Küster sowie eine Kirche
  • 7 Bauern
  • 4 Kossäten
  • 1 Krug
  • 1 Schmiede
  • 1 Forsthaus
  • Verschiedene Handwerker
  • 48 Feuerstellen.

Wie bereits erwähnt, lag Lupow an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt an der Poststraße von Berlin nach Preußen. Brüggemann verweist daher auch auf die Einrichtung eines Posthauses, in dem eine Poststation und ein Postwärteramt untergebracht waren. So verwundert es nicht, dass der Beruf des „Postillion“ in Lupow häufig genannt wird. Bei dem historischen Beruf Postillion - auch Postillon genannt - handelt es sich um einen Postwagenkutscher oder um einen berittenen Postboten. Zunächst waren nur Briefe oder Pakete transportiert worden, aber schon bald beförderte der Postkutscher auch Passagiere als sog. „Personenpost“ (17. Jh.). In Hinterpommern gab es bis 1822 lediglich Sandwege.

Regierungsbezirk Danzig: Amtsblatt der Regierung zu Danzig. 1825

Danach begann der Ausbau von Straßen, die „Kunststraßen“ genannt wurden. Eilpostrouten wurden von Berlin aus eingerichtet bzw. ausgebaut. Bis 1828 waren diese Straßen bis Bromberg, Königsberg und Stettin fertig gestellt (später Reichsstraßen R1 und R2). Bis 1835 entstand die „Kunststraße“ zwischen Stettin und Danzig, damit gab es in Hinterpommern eine Hauptverkehrsader, die erst durch den Bau der Eisenbahnlinie Stettin-Danzig 1870 Konkurrenz bekam. Diese Sandstraße ist auch unter der Bezeichnung alte „Heerstraße“ in der Literatur zu finden.

   „Welch reges Leben und Treiben auf der alten Heerstraße! Die Trümmer der geschlagenen preußischen Armee wälzen sich auf Ostpreußen zu, die Franzosen folgen. Am 21. November 1806 hatte Napoleon das berüchtigte Edikt der Kontinentalsperre erlassen, um Englands Handel zu vernichten.“ (aus: Alte Straßen in Ostpommern, von Karl Rosenow, Rügenwalde)

In diesem Bericht wird ausgeführt, wie der Schmuggelhandel sich in der Folge und insbesondere weiterhin nach dem Tilsiter Frieden von 1808 entwickelte. „20.000 Zollbeamte führten einen ebenso erbitterten wie erfolglosen Kampf gegen 100.000 Schmuggler.“ Die Engländer reagierten mit einer Offensive in der Ostsee, überwältigten die dänische Flotte und legten Warenschuppen an, um die Waren sodann über Kolberg und Rügenwalde einzuführen. Auf der alten Heerstraße entwickelte sich ein lebhaftes Treiben im Binnenland, trotz der Wachkommandos, die von den Franzosen in den Orten Naugard, Schivelbein, Naugard, Köslin, aber auch in Schlawe, Stolp, Lauenburg und in Lupow eingerichtet worden waren, um den Verkehr zwischen Danzig und Stettin zu überwachen. „Voller Staunen sahen die Anwohner der alten Straße diesen Verkehr sich vor ihren Augen abwickeln. Die Wirte in den Dorfkrügen hatten goldene Zeiten.“ So profitierten viele Menschen von diesem Schmuggel und die alte Landstraße erlebte noch einen kurzen Aufschwung. Aber gleichzeitig gibt es auch Berichte aus denen hervor geht, wie schlecht die Straßenverhältnisse damals tatsächlich waren und zudem auch sehr langsam vor sich gingen. „...und erfahrene Reisende wußten ein Mittel, wie die nachts durch die Stöße des Wagens beim Schlafen locker gewordenen Zähne wieder im Zahnfleisch befestigt werden konnten: man spülte den Mund mehrere Stunden mit Branntwein.“ (Ostpommersche Heimat 1931, Nr. 6, S. 26)

So mag es nicht verwundern, dass der Beruf des Postillion körperlich sehr anstrengend war. Wind und Wetter, oft kaum passierbare Straßen, schlecht ausgestattete Kutschen und häufige Überfälle durch Wegelagerer – all dem musste der Postillion sich stellen. Einige Namen aus diesem Berufsumfeld:

  • Franz Panzer *1794 u. Ehefrau Christine Charlotte geb. G/Koschnick (um 1825)
  • Michael Schroeder (um 1800)
  • Friedrich Stielow u. Hulda geb. Albrecht (um 1820)
  • Michael Totzke (um 1770)

Dauerte eine Postkutschenfahrt von Stettin nach Danzig um 1813 noch zwei Nächte und einen Tag, so benötigte man um 1860 – nach Herstellung der neuen Chaussee – nur noch 12 Stunden. 1827 wurden die ersten Ausgaben zum Bau einer neuen Chaussee getätigt. Der Bau der Chaussee Stettin-Danzig dauerte von 1828-1835. Da für die Benutzung der Chaussee eine Abgabe fällig wurde, richtete man in Hinterpommern ab diesem Zeitpunkt Amtswohnungen für Chaussee-Aufseher vor jeder Stadt ein und hängte Chausseegeld-Hebetabellen dort aus. In den Kirchenbüchern findet sich ab dieser Zeit als Berufsbezeichnung „Chausseewärter“ oder „Chausseeaufseher“ und „Chausseevorarbeiter“.  Im Kirchenbuch von Lupow stößt man auf einige, als Beispiel seien hier genannt:

  • Friedrich Abel u. Ehefrau Auguste geb. Hein (die Familie kam aus Kolberg um 1845 nach Lupow)
  • Carl Geffke, genannt 1875
  • Louis Hahn, genannt 1867
  • Carl August Jeffke (*1837, +1901)
  • August Kramp u. Ehefrau Anna geb. Villbrandt (wh. um 1900 Lupow)
  • Carl Müller (*1820, +1896)
  • August Albert Nofz (*1895, 1915: Chausseearbeiter)
  • Carl Friedrich Schmidtke
  • Fritz Hermann Bernhard Störk (*1864, +1905)

Von verschiedenen Handwerkern und Unternehmungen ist für Lupow seit Ausrufung des Stadtrechts bereits die Rede gewesen. Aber sicherlich siedelten auch Familien wegen religiöser Verfolgung oder blieben infolge von Kriegen in Hinterpommern „hängen“.

Eine Besonderheit soll an dieser Stelle für Lupow dargestellt werden. Es handelt sich um Salzburger, die wegen ihres protestantischen Glaubens aus ihrer Heimat vertrieben wurden und sich auch vereinzelt im Solper Kreis niedergelassen haben. „So die Familie Zollweg ... Die Kunst des Bierbrauens scheint in der genannten Familie erblich gewesen zu sein, wahrscheinlich brachten sie diese Fertigkeit aus ihrer damals schon bierfreudigen Heimat mit. Vielleicht war es auch diese Salburger Emigrantenfamilie, welche die Bierbrauerei in Lupow gründete.“ (Zit. aus: Ostpommersche Heimat 1935, Nr. 16, S.2)

1743: Brauer Hans Kruse heiratet in Lupow: Dorothea Elisabeth Nowcen. Er stirbt bereits ein Jahr später. Die Witwe heiratete 1945 den Brauer Joseph Zolweg.  

1749: Brauer Michael Reichmann heiratet: Anne Henriette Reichmann.

 

Über den Zuzug aus weiteren Ländern gibt es vielfältige Vermutungen, konkrete Forschungsergebnisse dazu liegen mir aber bisher nicht vor. Da Lupow aber als Poststation zwischen Berlin und Königsberg viele Reisende beherbergt haben dürfte und – wie bereits dargestellt – seit 1691 mit Stadtrechten ausgestattet war, handelte es sich wohl nicht um einen ganz unwichtigen Ort.

Walliser, Schotten oder Engländer mögen sich hinter Familiennamen wie Timmreck (Verwalter in Lupow) oder Mickley – möglicherweise von MacLeans. Zur schottischen Einwanderung scheint bereits geforscht worden zu sein. Jedenfalls soll sich im Nachlass des Dr. Martin Bethe (im Staatsarchiv in Leipzig) zahlreiches Material befinden, wie z. B. eine Namenskartei “Schotten in Pommern“. Aber auch zahlreiche Manuskripte und Korrespondenzen mit Forscherkollegen in Großbritannien warten dort auf Auswertung.

Ob die Familie Pett ebenfalls zu den eingewanderten Schotten gehörten wird ebenfalls diskutiert. Jedenfalls scheinen sie im frühen 18. Jahrhundert im Raum Stolp gesiedelt zu haben. Der Dorfschulze Michael Pett stirbt 1746 in Lupow.

Anhand des Lupower Kirchenbuches lassen sich viele einheimische Familien historisch weit zurück verfolgen. Beispielhaft soll hier die Familie Gohr vorgestellt werden:

Familie Gohr: 1768 stirbt der „alte Gohr“ in Lupow. Ob es sich um den 1717 bei in der Hufenklassifikation genannten Pagel Gohr handelt, konnte nicht mehr herausgefunden werden, da der Eintrag weder den Vornamen, noch das Alter oder sonstige Angaben enthält. In den Kirchenbuchaufzeichnungen jener Zeit finden sich häufig nur Berufsangaben statt Vornamen (z.B.: „...der Sohn des Müllers...“), die Individualität stand wohl damals nicht so sehr im Vordergrund. Frauen finden noch weniger Erwähnung, bei unehelichen Kindern wird eher noch der spätere Stiefvater genannt...

Die vorliegenden Kirchenbuchaufzeichnungen der Verstorbenen von Lupow beginnen erst 1743. So kann der o.g. Pagel Gohr auch zwischen 1717 und 1743 verstorben sein. Durch die Altersangaben der späteren Verstorbenen finden sich zwei weitere „frühe Gohrs“:  

  • Michael Gohr *1710 wurde 90 Jahre alt und starb 1790 in Lupow
  • George Gohr *1715, starb 1790 in Lupow

Aus den Heiratsangaben lassen sich für das 18. Jahrhundert folgende Gohr-Familienmitglieder extrahieren:

  • 1753: Michael Gor oo: Catharina Mancuschken
  • 1754: Maria Gohren oo: Adam Nowc
  • 1769: Knecht Martin Gohr oo:Anna Pionke
  • 1778: Christian Gohr              oo: Anna Pustotken
  • 1782: Witwer Christian Gohr oo: Christina Potratz (in Sochow)
  • 1779: Michael Gohr oo: Maria Potratz
  • 1784: Kossät Christian Gohr oo: Anna Elis. Galonke
  • 1786: Grenadier Martin Gohr oo: Henriette Buhrki.
    Dieser Martin Gohr (1749-1831, starb als Kossät u. Eigentümer im Alter von 84 J., seine Ehefrau Henriette war errechnet 1759 geboren und starb 1824.
    Kinder:
    Dorothea Louise *1786, oo: Herr...ach;
    Christian Friedrich *1789
    Maria *unbek., oo: Krischke;
    Charlotte *unbek., oo: Schoenfeld?.
  • 1790: Friedrich Gohr oo: Anna Maria Bartheicken
  • 1797: Anna Christina Gohr oo: George Krzischke/Zischke
  • 1797: Anna Maria Gohr oo: Friedrich Noffz

Später lässt sich der „alte“ FN Gohr sowie deren Besitzverhältnissen in den Regulierungsrezessen von 1825-1828 nachvollziehen. Über Generationen hinweg blieb die Familie Gohr in Lupow ansässig und so wundert es nicht, dass sie auch im 20. Jahrhundert (bis 1945) in Lupow zu finden sind - es handelte sich also um eine sehr fest im Ortsgeschehen verankerte Familie.